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Objekt des Monats November 2018

Statue von Graf von Reden

Material: Eisenkunstguss

Datierung: 1887

Maße: Höhe: 42 cm, Sockel: 12×12 cm

Inv. Nr.: 3366

Die Statue

Bei der vorgestellten Statue auf eckigem Postament handelt es sich um eine verkleinerte Nachbildung des Denkmals von Friedrich Wilhelm Graf von Reden. Das Denkmal wurde eigentlich im Jahr 1852 von Theodor Kalide für die Königshütte (heute Chorzów) entworfen, die verkleinerte Nachbildung stammt jedoch von Karl August Meine und wurde 1887 erstellt.[1] Die Statue ist ein Symbol für die Zeit, in der die Gleiwitzer Gießerei gegründet wurde, aber auch für die damit einhergehenden Veränderungen.[2] Friedrich Wilhelm Graf von Reden und sein Onkel Anton Freiherr von Heinitz erkannten nämlich die Bedeutung des Eisenhüttenwesens für die Entwicklung des Landes und trugen somit maßgeblich zum politischen und wirtschaftlichen Aufstieg des preußischen Staates bei.[3]

Friedrich Wilhelm Graf von Reden ist in Uniform, mit Kniestiefeln und ohne Kopfbedeckung zu sehen. Das rechte Bein wird auf einem Felsblock gestützt, über dem Knie ist ein Papier mit der Inschrift „Tarnowitz“ zu erkennen. Auf die Vorderseite des Sockels wurde der Name, sowie das Geburts- und Sterbejahr graviert: „Friedrich Wilhelm Graf von Reden. Geb. den 23ten Maerz 1752, gest. den 3ten Juli 1815.“ Auf der Hinterseite steht geschrieben: „Dem Begründer des schlesischen Bergbaues die dankbaren Gruben= und Hüttenwerke u. Knappschaften Schlesiens. 1852.

Die Person – Friedrich Wilhelm Graf von Reden

Zunächst als Direktor der staatlichen Bergbehörde in Breslau, später als Minister für Bergbau und Metallurgie in der preußischen Regierung, ist dem Grafen von Reden ein bemerkenswerter Verdienst für die Entwicklung der Industrie in Oberschlesien zuzuschreiben.[4] Geboren wurde der aus einer althannoverischen Adelsfamilie Stammende in Hameln an der Weser, wo er auch seine Schulzeit verbrachte. Mit sechzehn Jahren ging er zu seinem Onkel nach Clausthal, wo er den Beruf des Bergmannes erlernte und mit der Bergbauverwaltung vertraut gemacht wurde. Nach der Lehrzeit absolvierte er eine Universitätsausbildung und bestand das Staatsexamen für den höheren Verwaltungsdienst in Hannover. Seine darauf folgenden Studienreisen führten ihn nach Holland, Belgien, England und Frankreich, wo er die dortigen Berg- und Hüttenwerke kennenlernte. Redens Onkel Friedrich Anton von Heinitz, Chef des Berg und Hüttendepartements zu Berlin, sollte für seine zukünftige Karriere von großer Bedeutung sein, denn im Herbst 1777 bat er ihn in die preußische Bergwerksverwaltung einzutreten.[5] Über die Begabung von Friedrich Anton v. Heinitz schreibt Erwin Hintze: „Heinitz ist der genialste Mann, den das 18. Jahrhundert auf dem Gebiete des Bergwesens und der merkantilistischen Wirtschaftspolitik hervorgebracht hat. (…) Die vereinte Arbeit dieser beiden Männer hat den Grundstein zu der glanzvollen Entwicklung der oberschlesischen Montan-Industrie gelegt.[6]

Eine gemeinsame Reise regte die beiden dazu an, über eine Neueinrichtung der schlesischen Bergbehörden und eine Neubelebung des schlesischen Bergbaues auf Grundlage neuerster Technik nachzudenken. Schließlich übertrug Heinitz seinem Neffen die ehrenvolle, aber schwierige Aufgabe der Realisierung dieser Projekte. 1779 wurde Reden zum Direktor des schlesischen Oberbergamts ernannt. Die von ihm durchgeführten Reformen umfassten unter anderem die Überprüfung und Neuordnung der dem Oberbergamt unterstellten Behörden, die Verbesserung der Betriebsbasis, die Erstellung neuer Haushaltspläne für die Gruben und Hütten, und die Organisierung des staatlichen Ausfuhrhandels. Es sollten jedoch auch zahlreiche Reisen gemacht werden, um eine genauere Vorstellung von den Lagerstätten der Bodenschätze Schlesiens zu erhalten. Trotz der im Frühjahr 1783 in einem Duell zugezogenen Armverletzung widmete sich Reden eifrig der Umsetzung seiner Vorhaben. Er wollte vor allem den Steinkohlebergbau in Waldenburg und Oberschlesien ausbauen und die Wiederaufnahme des Erzbergbaues im Kammgebirge in Niederschlesien und in Tarnowitz in Oberschlesien umsetzen. Ein tiefer Stollen war notwendig, um den bereits zweimal aufgrund großer Wasserzuflüsse geschlossenen Bleierzbergbau in Tarnowitz wieder aufzunehmen. Die technischen Schwierigkeiten schienen zunächst unüberwindlich.[7]

Zusätzlich wurde ein staatlicher Steinkohlebetrieb für die Brennstoffversorgung der Hütte errichtet. Da eine Hütte für das Schmelzen der Erze notwendig war, wurde 1786 mit dem Bau der Friedrichshütte begonnen, welche bald darauf fertig gestellt werden konnte. In diesem Jahr erhob der König Reden in den Grafenstand und ernannte ihn zum Geheimen Oberfinanzrat. Dennoch blieb das große Problem des Tarnowitzer Bleierzbergbau bestehen, nämlich der enorme Wasserzufluss. Um das Problem zu lösen, wurde eine Maschine von 32 Zoll Zylinderdurchmesser aus England bestellt, vier weitere Dampfmaschinen wurden in Gleiwitz nachgebaut. Somit arbeitete in Tarnowitz die erste Dampfmaschine des Königreichs Preußen. Diese Maschinenanlagen zur Wasserhaltung und die damit verbundene Entwicklung des Gleiwitzer Maschinenbaus hatten aufgrund ihres hohen technischen Standes Weltruhm erlangt, was dazu führte, dass viele Interessierte – darunter auch Goethe, der zu einem engen Freund Redens wurde –  die Anlage besichtigten.[8] Am 9. Juli 2017 wurden die Bergbaudenkmäler in Tarnowitz im Rahmen der 41. Konferenz des Welterbekomitees in Krakau von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.[9]

Auch beim Bau der Königsgrube bei Königshütte und der Luisengrube bei Zabrze bewies Reden das richtige Gespür. 1806 konnten die beiden gegen den Willen von Heinitz gebauten Anlagen bereits 400.000 Scheffel (ca. 28000 Tonnen) Kohle fördern. Für die damalige Zeit handelt es sich dabei um eine beachtliche Menge, jedoch musste auch für den Absatz der Produkte gesorgt werden. Um die Abnahme zu steigern und Kohle anstatt Holz als Brennstoff gebräuchlich zu machen, erhöhte der Staat die Preise für Holz, zahlte Prämien bei Verwendung von Kohle und belehrte Brennereien, Brauereien usw. darüber, wie die Kohle zu verwenden sei.[10]

Aufgrund der zufälligen Entdeckung von Eisen- und Steinkohlevorräten entschied sich Graf von Reden für den Aufbau einer Eisengroßindustrie, welchen er von nun an als seine Lebensaufgabe betrachtete. Zunächst galt es jedoch technische Verbesserungen der bereits bestehenden Anlagen vorzunehmen. Um die Einrichtungen der Berg- und Hüttenwerke kennenzulernen, reiste Reden nach England, wo er sich rund ein Jahr aufhielt. Nach seiner Heimkehr wurde  der Plan zum Bau der Eisengießereien  in Gleiwitz und Berlin entworfen. 1794 wurde der Bau der Gleiwitzer Gießerei begonnen, 1796 wurde das Werk vollendet und der erste Kokshochofen Deutschlands in Betrieb genommen.[11] Die ersten Schmelzversuche im Kupolofen wurden 1787 unternommen, erfolgreich abgeschlossen wurden sie jedoch erst 1797. Diese Kupolöfen ermöglichten das Umschmelzen und Verbinden verschiedener Eisensorten und damit das Verfeinern des im Hochofen erblasenen Roheisens. Somit erreichte Reden sein anfängliches und größtes Ziel. [12]

Neben Munition wurden nun auch Zylinder, Maschinenteile, Räder, Ketten, Brücken, Draht, Stabeisen und Gusseisen für den Handel produziert. Zu verdanken ist dies Reden, der durch seine zielstrebige Arbeitsweise die Leistungsfähigkeit der Gleiwitzer Gießerei maßgeblich steigerte. So wurden im ersten Produktionsjahr 1.254 Medaillen und 24 Kruzifixe hergestellt, vier Jahre später konnte bereits eine Zahl von 12.362 Medaillen und hunderten Zier- und Gebrauchsgegenständen erreicht werden.[13]

1795 wurde Reden zum ständigen Vertreter von Heinitz benannt. Außerdem wurde ihm der Titel des Berghauptmanns verliehen und die Aufgabe, alle zwei Jahre die Berg- und Hüttenetablissements der Monarchie zu bereisen, übertragen. Um in Zukunft über ausreichend gut ausgebildete Nachwuchskräfte zu verfügen, gründete Reden in Tarnowitz eine Bergschule, die den Ruf einer hervorragenden Ausbildungsstätte genoss und Schlesien mit tüchtigen Beamten versorgte.
Die Heirat von Reden und seiner Frau Friederike Freiin von Riedesel fand 1802 statt. Im selben Jahr starb Redens Onkel, Anton Freiherr von Heinitz. Reden wurde zunächst die Leitung des Berg- und Hüttendepartements und der Porzellanmanufaktur übergeben, später wurde er zum Vorstand des Departements berufen und schließlich auch zum Staatsminister ernannt. Auch der erste Hochofen auf der Königshütte konnte 1802 in Betrieb genommen werden.[14] 1804 wurde durch Reden die staatliche Eisengießerei von Berlin begründet, nachdem ein Jahr zuvor der notwendige Baugrund erworben und die Vorbereitungen getroffen wurden.[15]

Als Napoleon am 27. Oktober 1806 in Berlin eingezogen war, beschloss Reden, in der Hauptstadt zu bleiben, den Treueeid zu leisten und somit eine Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht zu versuchen. Er folgte dem König also nicht – wie es üblich war –  nach Ostpreußen, da das Verlassen der Stadt bedeutet hätte, den Betrieb in den Bergwerken, Hütten, Salinen und somit sein Lebenswerk aufzugeben. Diese Entscheidung führte nach dem Frieden von Tilsit dazu, dass der König die sofortige Entlassung Redens ohne Pensionsberichtigung veranlasste. Dennoch bekam er im November 1810 als Anerkennung für seine Verdienste an den Staat den großen Roten Adlerorden verliehen. Am 3. Juli 1814 verstarb Friedrich Wilhelm Graf von Reden, nachdem es zu einem raschen Verfall seiner körperlichen Kräfte, vermutlich auch beeinflusst durch die Enttäuschung über seine Entlassung, kam.[16]

Text: Hannah Konrad, BA

 

Literatur:

Arenhövel, Willmuth: Eisen statt Gold. Preußischer Eisenkunstguss aus dem Schloss Charlottenburg, dem Berlin Museum und anderen Sammlungen. Berlin 1982.

Bartel, Elisabeth u.a.: Gleiwitz Berlin Seyn. Europäischer Eisenkunstguss. Die Königlich-Preußischen Eisengießereien. Sayn 2006.

Fuchs, Konrad: Friedrich Wilhelm Graf von Reden. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, 27. Jahrgang, H. 1., 1982, S. 1-21.

Hintze, Erwin: Gleiwitzer Eisenkunstguss. Breslau 1928.

Kwiecien, Anna: Cast Iron. Art casting in the old Gliwice (1796-1945). An Exhibition from the Gliwice Museum Collection. Gliwice 2017.

Schmidt, Eva: Der preußische Eisenkunstguss. Berlin 1981.

Weblinks:

Historisches Silberbergwerk: Wir haben es! Tarnowskie Góry auf der UNESCO-Liste. 09.07.2017, Online: https://kopalniasrebra.pl/de/2017/07/09/wir-haben-es-tarnowskie-gory-auf-der-unesco-liste/ (Zugriff 19.07.2018)

[1] Vgl. Elisabeth Bartel u.a.: Gleiwitz Berlin Seyn. Europäischer Eisenkunstguss. Die Königlich-Preußischen Eisengießereien. Sayn 2006, S. 109.

[2] Vgl. Anna Kwiecien: Cast Iron. Art casting in the old Gliwice (1796-1945). An Exhibition from the Gliwice Museum Collection. Gliwice 2017, S. 77.

[3] Vgl. Willmuth Arenhövel: Eisen statt Gold. Preußischer Eisenkunstguss aus dem Schloss Charlottenburg, dem Berlin Museum und anderen Sammlungen. Berlin 1982, S. 10.

[4] Vgl. Anna Kwiecien: Cast Iron. Art casting in the old Gliwice (1796-1945). An Exhibition from the Gliwice Museum Collection. Gliwice 2017, S.77.

[5] Vgl. Konrad Fuchs: Friedrich Wilhelm Graf von Reden. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, 27. Jahrgang, H. 1., 1982, S. 1.

[6] Erwin Hintze: Gleiwitzer Eisenkunstguss. Breslau 1928, S. 1.

[7] Vgl. Konrad Fuchs: Friedrich Wilhelm Graf von Reden. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, 27. Jahrgang, H. 1., 1982, S. 2-6.

[8] Vgl. Ebda, S. 6-8.

[9] Vgl. Website Historisches Silberbergwerk: Wir haben es! Tarnowskie Góry auf der UNESCO-Liste. 09.07.2017, Online: https://kopalniasrebra.pl/de/2017/07/09/wir-haben-es-tarnowskie-gory-auf-der-unesco-liste/ (Zugriff 19.07.2018)

[10] Vgl. Ebda., S. 8-9.

[11] Vgl. Eva Schmidt: Der preußische Eisenkunstguss. Berlin 1981, S. 34.

[12] Vgl. Vgl. Erwin Hintze: Gleiwitzer Eisenkunstguss. Breslau 1928, S. 4.

[13] Vgl. Eva Schmidt: Der preußische Eisenkunstguss. Berlin 1981, S. 35.

[14] Vgl. Konrad Fuchs: Friedrich Wilhelm Graf von Reden. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, 27. Jahrgang, H. 1., 1982, 15- 16.

[15] Vgl. Erwin Hintze: Gleiwitzer Eisenkunstguss. Breslau 1928, S. 9.

[16] Vgl. Konrad Fuchs: Friedrich Wilhelm Graf von Reden. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, 27. Jahrgang, H. 1., 1982, S. 20.