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Objekt des Monats Februar 2019

Objekt des Monats: Reiterstandbild des Großen Kurfürsten

Inv. Nr. 3005, Maße: 66 x 39,5 x 35 cm

Der dargestellte, Friedrich Wilhelm Markgraf von Brandenburg und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches trug den Beinamen „der Große Kurfürst“ (1620-88). Er war der Vater von Friedrich III., König in Preußen und zu dessen Geburtstag am 12. Juli 1703, wurde die Statue seines Vaters enthüllt. Der Kurfürst (1620-1688) ebnete durch seine reformfreudige Regierungspolitik den Weg für den Aufstieg Brandenburg-Preußens zur Großmacht. Dem Geschlecht der Hohenzollern ermöglichte er so den Weg zu einem der führenden deutschen Herrscherhäuser.

Das große, schwere, gusseiserne Standbild, das im Original im Hof in Schloss Charlottenburg in Berlin steht, wurde nach 1824 entweder in Gleiwitz oder in Berlin, also in einer der Königlich Preußischen Gießereien gegossen. Das Denkmal, 1696 von Andreas Schlüter begonnen, wurde von Johann Jacobi im Jahr 1700 in Bronze gegossen und drei Jahre später aufgestellt. Zuerst an der sogenannten „Langen Brücke“ unweit des Berliner Schlosses, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Seit 1952 steht das Denkmal im Ehrenhof des Schlosses Charlottenburg in Berlin.

Das Reiterstandbild selbst, hatte im Zweiten Weltkrieg eine abenteuerliche Reise hinter sich zu bringen. Es wurde 1943 gesichert, die Lange Brücke (zur „Kurfürstenbrücke“ umbenannt) wurde von der Wehrmacht gesprengt. Ausgelagert auf einem Schiff, einem Spreekahn, ankerte es auf dem Tegeler Fließ und versank samt dem Kahn auf dem Transport zum Tegeler See in den Fluten. 1949 wurde das Denkmal wiederentdeckt und von Tauchern geborgen. Seit 1952 steht es nun im Schloss Charlottenburg.

Die verkleinerte Abbildung wurde 1824 nach einem Modell von August Carl Eduard Kiss auf der Akademieausstellung in Berlin erstmals gezeigt. Bereits 7 Jahre vorher wurde die Berliner Gießerei beauftragt, rund um das Denkmal auf der Langen Brücke, einen eisernen Zaun zu gießen. Dieser eiserne Zaun ist auch auf der Neujahrsplakette von 1817 abgebildet.

Carl Eduard August Kiss (1802-1865) wurde in Schlesien im Dorf Paprotzan bei Pleß geboren. Nach einer Lehre in Gleiwitz war er ab 1822 bei der Berliner Gießerei als Modelleur tätig. Seine Förderer in Berlin waren niemand Geringerer als Leonhard Posch, Christian Rauch, Friedrich Tieck und der berühmte Wilhelm August Stilarsky. Berühmt wurde Kiss besonders durch naturgetreue Pferdedarstellungen und Großplastiken wie der „Kampf der Amazone mit dem Panther“, die noch heute, in Berlin vor dem Alten Museum steht.

Zur Darstellung des Großen Kurfürsten: Der Fürst sitzt auf einem schreitenden Pferd in teilweise römischer Kleidung. In der einen Hand hält er einen Kommandostab, in der linken Hand die Zügel. Zu seinen Füßen lagern vier Sklaven, je einer an der Ecke des Sockels, die seine bekämpften und besiegten Feinde symbolisieren. Auf einem hohen Sockel zu dessen Ecken die vier Sklaven sitzen, sind Akanthusblätter angebracht, die als einziges Teil des Denkmales nicht aus Eisenkunstguss sind. Der Sockel hat eine Inschriftentafel mit folgender Inschrift:

DIVO FRIDERICO GUILELMO MAGNO S. R. I. ARCHIC. ET ELECT. BRANDENB. SUO PATRIAE EXERCITUUM PATRI OPT. MAX. INCLYTO QUUM lNCOMPARABILIS HEROS DUM VIXIT AMOR ORBIS AEQUE AC TERROR HOSTIUM EXTITISSET HOC PIETATIS ET GLOR. AETERNAE MONUM. L. M. Q. P. (Libenter meritoque prorsus) PRIMUS E SUA STIRPE REX BORUSS. AN. A. CH. N. CIDIDCCIII. („Dem erhabenen Friedrich Wilhelm dem Großen, des Heiligen Römischen Reiches Erzkämmerer und brandenburgischen Kurfürsten, seinem wie des Vaterlandes und des Heeres trefflichsten, berühmten Vater, der ein unvergleichlicher Held, während seines Lebens die Liebe der Menschen, aber auch ein Schrecken der Feinde gewesen, setzte dies ewige Denkmal der Verehrung gern und nach vollem Verdienste Friedrichs, erster König von Preußen, aus seinem Stamme, im Jahre n. Chr. Geburt 1703.“)

1828 war das eiserne Modell von Kiss als Produkt der Gießerei Gleiwitz tituliert, bei der Akademie-Ausstellung gezeigt und scheint auch im Preis-Courant von Gleiwitz mit der Nummer 628 auf. Von welcher Gießerei das Reiterstandbild in der Schell Collection stammt ist nicht nachzuweisen. Es wurde 2009 im deutschen Kunsthandel erworben und befindet sich unter der Inventarnummer 3005 in der Schell Collection in Graz. Bei der Ausstellung „Preußens schwarzer Glanz“ von Juni 2018 bis April 2019 ist es im Rheinischen Eisenkunstgussmuseum in Schloss Sayn ausgestellt.

Text: Mag. Martina Pall

Literaturhinweise:

http://www.historisches-stadtschloss.de/cms/upload/pdf/01_Der_grosse_Kurfuerst_KV.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/August_Ki%C3%9F

Arenhövel Willmuth: Eisen statt Gold, Berlin 1983, Seite 104 ff.

Bartel Elisabeth: Die Königliche Eisen-Giesserei zu Berlin 1904-1874. Berlin 2004, Seite 58 f.

Hintze Erwin, Gleiwitzer Eisenkunstguss, Breslau 1828, Tafel VIII, Seite 78.