Inventarnummer: 4714
Maße: 10 x 13,5 x 7,5 cm
Herkunft: Trapani, Sizilien
Datierung: spätes 16./ frühes 17. Jahrhundert
Standort: September 2025 bis August 2026 in der Sonderausstellung „Vom Zauber der Materialien“, Foyer, Vitrine 4
Das Objekt des Monats April 2026 ist ein kleines Kästchen mit einem tonnengewölbten Deckel, das auf vier gegossenen Füßen in Form von Löwentatzen ruht. Es hat kein Schloss – öffnet man den Deckel findet man das Innere mit rotem Samt ausgekleidet, der im Laufe der Zeit aber wohl erneuert worden ist. Das Kästchen wurde aus vergoldetem Kupfer mit wundervollem Dekor aus roter Koralle (corallium rubrum) und weißem Email in der sogenannten retroincastro-Technik gearbeitet. Diese Technik ist typisch für die kunsthandwerklichen Arbeiten aus der sizilianischen Stadt Trapani, wo das Kästchen im späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert gefertigt worden ist.
Bei dieser Technik wurden polierte Korallenstücke in die vergoldete Oberfläche eingesetzt und formen ein intrikates Muster. Der Korpus der Schatulle ist an der Frontseite mit zwei kleinen Blüten aus weißem Email ausgestaltet, was einen reizvollen Kontrast zu den sie umgebenden tropfenförmigen Blütenblättern aus Koralle schafft. Im Zentrum wurde ein stilisierter Wappenschild aus Korallenelementen geformt. Die beiden Seitenwände sind ebenfalls mit Blütenblättern dekoriert, in deren Zentrum jeweils ein schmaler Ring aus Koralle befestigt ist. Die Ecken wurden zusätzlich mit länglichen Elementen akzentuiert. Der gewölbte Deckel ist an den Rändern mit gravierten Zierleisten aus vergoldetem Kupfer eingefasst. An der Oberseite befindet sich erneut eine Blume aus weißem Email mit umgebenden Blütenblättern aus Koralle, flankiert von halben Blumen derselben Machart. Auch die Seitenwände des Deckels sind mit denselben halbierten floralen Elementen aus Email und Koralle dekoriert. Die restliche Fläche ist mit runden, schoten- und kommaförmigen Elementen aus polierter Koralle in der Art des horror vacui, der Scheu vor der leeren Fläche, versehen.
Vergleichbare Kästchen aus Trapani finden sich beispielsweise in der von Ferdinand II. geschaffenen Kunstkammer in Ambras, in der Sammlung der Banca Popolare di Novara und im Museo Civico in Udine. Das Kästchen aus Ambras stammt ebenfalls aus Trapani und wurde mit Einlegearbeiten aus Koralle und Email gefertigt. Es ist allerdings wesentlich größer, ruht auf Adlerfüßen und ist mit einem Schloss versperrbar. Ein vergleichbares Kästchen auf Löwenfüßen war Teil der Sammlung Manolo March, die 2015 im Auktionshaus Christie’s versteigert wurde. (Link?) Das Museo Regionale “Agostino Pepoli” in Trapani besitzt in seiner Sammlung eine große Auswahl an wunderbaren historischen Korallenarbeiten der trapanesischen Goldschmiede und Kunsthandwerker. Dazu gehört auch ein Schmuckkästchen, das aus Holz, vergoldetem Kupfer, Koralle und Silber gearbeitet wurde. Es wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts geschaffen und zeigt, im Vergleich zum Kästchen der Schell Collection, die Entwicklungen des Korallendekors die sich im Barock herausgebildet haben.
Als retroincastro wird die älteste angewandte Technik bezeichnet, bei der kleine Elemente polierter Koralle in eine vergoldete Kupferplatte eingesetzt wurden. Man befestigte die Korallenstücke mit einem eigenen Klebstoff aus Wachs und Pech auf einem zurechtgeschnittenen Leinenstoff und setzte sie anschließend von hinten in die mit Einschnitten versehene Kupferpatte ein. Im 16. Jahrhundert führte der Handwerksmeister Antonio Ciminello ein neues Werkzeug ein, den sogenannten bulino, der es ermöglichte Skulpturen sehr klein aber trotzdem unglaublich detailreich zu schnitzen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts änderte sich die Technik. Man begann dünne Drähte und Stifte zur Befestigung der Korallenelemente zu verwenden. Diese Technik war zwar simpler in der Durchführung, aber weniger sicher, da sich die Stücke leichter von der Kupferplatte lösen konnten. Ganz im Stil des Spätbarocks und Rokoko begannen sich auch die Formen der Elemente zu ändern. Anstatt der runden, schoten- und kommaförmigen Elemente formte man nun die Korallen zu geschwungenen Blumen- und Pflanzenmotiven, Spiralen und Akanthusblättern. Anstatt farbiger Akzente aus Email, bevorzugte man Filigranarbeiten und Ziselierungen aus Silber.[1]
Die Koralle
Bei Korallen im Allgemeinen handelt es sich um sesshafte, kolonienbildende Nesseltiere. Allerdings eignen sich nur bestimmte Arten zur kunsthandwerklichen Verarbeitung, nämlich nur jene die ein Kalkskelett besitzen. Dazu gehört vor allem die dunkelrote Edelkoralle corallium rubrum, die in den Gewässern des Mittelmeers und dem angrenzenden östlichen Atlantik beheimatet ist. Es handelt sich um kleine Korallentierchen, die in einer Tiefe von 80 bis 200 Metern leben und sich von Meeresplankton ernähren. Durch die Ausscheidung von Calciumcarbonat werden harte, baumartig verzweigte Kalkskelette und Stützgerüste geschaffen. Korallen bilden in der Regel große Kolonien, aus deren Kalkgerüsten ganze Korallenbänke und -riffe entstehen.[2]
Korallen kommen in unterschiedlichen Farbvarianten vor, die häufigsten sind Rot, Rosa und Weiß. Seltener gibt es auch blaue und schwarze Korallen. Die unterschiedlichen Färbungen entstehen durch die Einlagerung von Algen. Unbearbeitet sind die Korallenäste matt und haben einen fast wächsernen Glanz. Werden sie poliert wird der Glanz glasähnlich, was bei der Fertigung von Schmuckstücken, Skulpturen, liturgischen Gegenständen und kunstgewerblichen Objekten besonders geschätzt wird. Durch ihre Härte eignen sich Korallen sehr gut zur kunsthandwerklichen Bearbeitung, Schmuck- und Ziergegenstände sind noch immer sehr beliebt und werden bis heute hergestellt. Sie reagieren allerdings empfindlich auf Hitze und Säure, was dazu führen kann, dass sie an Farbintensität verlieren.[3]
Korallen sind in fast allen Meeren der Welt verbreitet, global gesehen stammt ein Großteil der verarbeiteten Stücke aus dem Südpazifik. Die Bearbeitung von Korallen hat daher in zahlreichen Ländern, darunter beispielsweise Japan, China, Indien und die polynesischen Inseln, eine lange Tradition. Auch im Mittelmeer gibt es, wie eingangs schon erwähnt, bedeutende Korallenvorkommen, vor allem der Art corallium rubrum. Archäologische Funde aus Ägypten, Frankreich und Russland beweisen, dass ihre Verwendung und Bearbeitung schon seit dem Paläolithikum[4] verbreitet war. Korallenperlen und andere bearbeitete Stücke wurden in neolithischen[5] Stätten in Italien, Spanien, Frankreich, dem Alpenraum, den mediterranen Inseln, dem Balkan, der Türkei, Zentralasien, Ägypten und dem Persischen Golf gefunden. Diese Funde weisen auf ein bereits weit verbreitetes Handelsnetzwerk hin, das bis nach Indien reichte. In der Antike wurde die Korallenfischerei und der Handel vor allem in Sizilien, insbesondere in Trapani, aber auch in Ligurien, Korsika und Sardinien betrieben. Neben den sizilianischen Hafenstädten haben sich damals auch Genua, Venedig, Pisa und Barcelona als Handelsorte etabliert. Im frühen Mittelalter wurden weitere Vorkommen an der nordafrikanischen Küste entdeckt. Zwischen dem Ende des 16. Jahrhunderts und dem Beginn des 18. Jahrhunderts erreichte die Verarbeitung und der Handel mit Korallen und daraus hergestellten Gegenständen ihren Höhepunkt.[6]
Für das Fischen der Korallen wurden traditionell kleine Boote, die sogenannten ligudelli, genutzt, die mit einer hölzernen Vorrichtung, dem ingegno, ausgestattet waren. Diese Vorrichtung bestand aus zwei breiten, in Form eines Andreaskreuzes, angeordneten Holzstücken, an denen mehrere Bündel von Netzen hingen. Zum Korallenfang wurde es ins Meer hinabgelassen, in Tiefen von bis zu 150 Metern, und mitgeschleppt. Man bewegte das ingegno während der Fahrt auf und ab, was dazu führte, dass sich die Korallenäste in den in den Netzen verfingen und abgerissen wurden. Diese Methode war sehr invasiv und konnte ganze Riffe zerstören, weshalb sie schließlich 1994 verboten wurde. Heute dürfen Korallen nur mehr von Tauchern gewonnen werden, die einzelne ausgewählte Stücke mit einer Spitzhacke abschneiden.[7]
Die aus dem Meer geholten Korallen wurden anschließend nach Qualität und Farben sortiert. Die Bearbeitung war den Handwerksmeistern und den ihnen assistierenden Korallenschneidern vorbehalten. Zunächst mussten sie gereinigt werden, dabei wurde die äußerste orangefarbene Schicht mit Schabern und Schleifsteinen abgenommen. Unter Zuhilfenahme von Zangen und Feilen wurden die Korallen schließlich in kleinere Stücke zerteilt und geformt. Bei der Herstellung von Perlen, wurden sie zu Kugeln geschliffen und durchbohrt. Größere Äste wurden mit Meißeln zu Skulpturen oder Schmuckstücken gearbeitet.[8]
Blutiger Mythos – Medusa und die Entstehung der Koralle
Schon seit frühester Zeit übt die Koralle eine besondere Faszination auf die Menschheit aus. Das hängt wohl auch mit den Beobachtungen und Mythen rund um ihre wandlungsfähige Natur zusammen: Lange Zeit war nämlich ihre biologische Einordnung unklar, Ovid (43 v. Chr-17 n. Chr) ordnete sie zum Beispiel den Pflanzen zu, Plinius der Ältere (23/24-79 n. Chr.) hingegen zählte sie zu den Mineralien.[9] Die komplexen Symboliken, die man mit der Koralle verbunden hat, sind aus dieser Mehrdeutigkeit entstanden. Sie ist versteinert, obwohl sie kein Mineral ist; sie hat verzweigte Äste, obwohl es sich nicht um eine Pflanze handelt; sie ist blutrot, obwohl sie nicht bluten kann. Hochgeschätzt als Schmuckstein, inspirierten die geheimnisvollen Entstehungsgeschichten der Koralle so außerdem zahlreiche Glaubensvorstellungen in verschiedenen Kulturen. Ihr wurden magische, beschützende und auch heilende Kräfte zugeschrieben. Außerdem machte sie der Umstand, dass sie unter großen Anstrengungen aus den Tiefen des Meeres gewonnen werden musste, umso begehrenswerter.[10] Diese mysteriöse Aura und die unbestimmte Natur zwischen Mineral, Pflanze und Tier behielt die Koralle bis ins 18. Jahrhundert bei. Erst dann wurde durch naturwissenschaftliche Beobachtungen entdeckt, dass es sich bei den Korallen um Meereslebenwesen handelt.[11]
In der klassischen Antike ist es Ovid, der in seinen Metamorphosen den Ursprungsmythos der Koralle überliefert. In Versform erzählen die Metamorphosen in 15 Büchern von der Geschichte der Welt, ein immer wiederkehrendes Thema ist der Prozess der Verwandlung. Auch der Ursprungsmythos der Korallen wird durch solch einen Verwandlungsprozess erklärt. Sie seien entstanden, nachdem Medusa, deren Anblick alles zu Stein erstarren ließ, von dem Heroen Perseus enthauptet wurde und versteinerte Blutspritzer ins Meer gefallen sind. Aber wie kam es dazu, dass die Koralle mit dem Blut der Medusa assoziiert wurde?
In der griechischen und römischen Mythologie war Medusa eine der drei Gorgonen. Hesiod schreibt in seiner um 700 v. Chr. entstandenen Theogenie von den drei Gorgonenschwestern, den Töchtern der Meeresgottheiten Phorkys und Keto: „Auch der Gorgonen Geschlecht, jenseits des Okeanos wohnend,/ Hart an der Grenze der Nacht, bei den singenden Hesperiden,/ Sthe[i]no, Euryale auch, und die jammervolle Medusa.“[12] Viele Autoren beschreiben die Gorgonen als furchtbar anzuschauende Ungeheuer mit Schlangenhaaren, Drachenschuppen, Hauer wie die eines Ebers, ehernen[13] Händen und goldenen Flügeln. Im Gegensatz zu ihren Schwestern war Medusa aber sterblich. Wie Medusa zu dem schlangenhaarigen Ungeheuer wurde, als dass sie so oft beschrieben wird, ist allerdings je nach Quelle unterschiedlich überliefert. Frühe Texte erwähnen oft überhaupt nur eine Gorgone beziehungsweise beschreiben sie von Beginn an als schrecklich anzusehendes Monster. Spätere Dichtungen stellen sie hingegen als schöne junge Frau dar, die die Aufmerksamkeit des Meeresgottes Poseidon erregte und von ihm im Tempel der Pallas Athene vergewaltigt wurde. Die jungfräuliche Göttin Athene bestrafte daraufhin Medusa und verwandelte sie in das Wesen mit Schlangenhaar, dessen Anblick alles zu Stein erstarren ließ. In vielen Darstellungen trägt Athene auch das Medusenhaupt auf ihrem Schild.[14]
Wie es dazu kam, dass das Blut der Medusa vergossen wurde erzählt der Mythos des Perseus, der sterbliche Sohn des Zeus und der Danaë. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, die Gorgone zu töten. Von Athene und Hermes mit einem glänzenden Bronzeschild, einer diamantenen Sichel, geflügelten Sandalen, einem Sack und einer Tarnkappe unterstützt, drang er in die Höhle der Schwestern ein. Nur auf die Spiegelung seines Schildes blickend um nicht versteinert zu werden, näherte er sich und enthauptete die schlafende Medusa mit einem Hieb. Er steckte ihren abgeschlagenen Kopf in den Sack und flüchtete. Aus Medusas Körper entsprang das geflügelte Pferd Pegasos und der Krieger Chrysaor. Bei seinen weiteren Abenteuern nutzte Perseus das Medusenhaupt als seine mächtigste Waffe, denn selbst im Tod wirkte ihr Anblick versteinernd. Der entscheidende Moment der Korallen fand statt, nachdem Perseus die Prinzessin Andromeda vor einem Seeungeheuer gerettet und befreit hatte. Er kniete sich an den Strand um sich das Blut von den Händen zu waschen und bettete das Medusenhaupt neben sich auf Laub und Äste. Medusas Blut benetzte die Pflanzen und transformierte sie so zu Korallen.[15] Ovid beschrieb das Ereignis wie folgt:
Selbst nun spület der Held die siegenden Händ‘ in der Woge.
Aber damit er nicht schade dem Schlangenhaupt in dem Meerkies,
Lockert er Laub auf die Erd‘, und im Abgrund wachsende Reiser
Streut er, und leget darauf das Gesicht der Phorkide Medusa.
Siehe das Reis, noch frisch, und mit saugendem Marke belebet,
Raffte des Scheusals Kraft, und erhärtete von der Berührung;
Äste zugleich und Blätter umzog fremdartige Starrheit.
Staunend nahn die Nymphen des Meers, und versuchen das Wunder
Noch an mehreren Reis, und freuen sich gleichen Erfolges.
Samen davon erneun sie, umher durch die Wogen ihn streuend.
Und auch jetzt ist gleiche Natur den Korallen geblieben:
Daß von berührender Luft sie Härt‘ annehmen, und, was erst
Schmeidig am Meergrund wuchs, gleich über dem Meer sich versteinert.[16]
Das Blut der Medusa soll laut dem Mythos also Pflanzen in die scheinbar versteinerten Korallen verwandelt haben. Auch der alte Name der Edelkoralle in der zoologischen Taxonomie nahm Bezug auf diese Verbindung. Seit 1789 lautete die lateinische Bezeichnung Gorgonia nobilis, erst 1816 wurde es in den heute üblichen Namen Corallium rubrum geändert.
Der apotropäische Charakter der antiken Medusenhäupter, die auf Gegenständen und Gebäuden angebracht wurden und so als Schutzsymbol dienten, ging auch auf die Koralle über. Bis heute werden sie als mächtige Talismane gegen den „bösen Blick“ gesehen. Auch im Christentum, das vor allem in seinen Anfängen die Praktiken und Glaubensvorstellungen der früheren Religionen oft assimilierte, nahm die Koralle durch die Assoziation mit dem Blut beschützende Funktionen an. Sie wurde zum Symbol für das Blut Christi, das zur Erlösung der Menschheit vergossen wurde. Talismane aus Koralle sollten nicht nur vor geistigen Übeln bewahren, man glaubte, dass sie auch vor körperlichem Unheil schützen. Diese Kräfte sollen auch auf die Gefäße, die mit Koralle verziert sind, übergehen. Gerne wurde das Material daher auch für Votivbildnisse und Rosenkränze, sowie den Dekor von Kelchen und Monstranzen gewählt. In pulverisierter Form galt die Koralle auch als Heilmittel für verschiedene Bluterkrankungen und Menstruationsbeschwerden.[17]
Die Koralle als wundersame Naturalie in der Kunstkammer
Ende des 16. Jahrhunderts nahmen in Europa die Erkenntnisse über die Welt rapide zu. Dies geschah vor allem durch die großen Entdeckungsreisen jener Zeit, die auch die Lust am Sammeln fremder und wundersamer Objekte verstärkten. Die Kunst- und Wunderkammern, die in dieser Zeit von fürstlichen wie gelehrten Sammlern angelegt wurden, sind Ausdruck dieses Zeitgeistes. Sie spiegeln den Glauben wider, dass die ganze Schöpfung in ihrer Vielfalt eine Einheit bildete. Dieser Wunsch die Welt darzustellen und zu katalogisieren führte zur Entstehung der Kunstkammern, in denen versucht wurde enzyklopädische Universalsammlungen anzulegen und die ganze Welt im Kleinen zu erfassen; man sprach damals vom Makrokosmos im Mikrokosmos. Neben dem Forschungsdrang spielte die Faszination des Fremden und Ungewöhnlichen eine große Rolle – die Koralle als fremdartiges Mischwesen aus den Tiefen des Meeres war daher ein besonders begehrtes Objekt in den Kunstkammern Europas.[18]
Die Kunst- und Wunderkammer, die Erzherzog Ferdinand II. von Tirol 1563 in Schloss Ambras in Tirol anlegen ließ, stellte einen der Höhepunkte fürstlichen Sammelns dar und kann als Musterbeispiel einer Kunstkammer der Renaissance gesehen werden. Die Objekte wurden in eigens angefertigten Schränken, mit passender Hintergrundfarbe und Beleuchtung ausgestellt und können auch noch heute als Gesamtensemble erlebt werden. Die Aufstellung folgte einer bestimmten Ordnung, die sich nach der Gleichartigkeit der Materialien richtete. Dieses Ordnungssystem baute thematisch auf die Historia naturalis von Plinius dem Älteren (23/24-79 n. Chr.) auf, in der er Kunstwerke in Zusammenhang mit den Stoffen beschreibt, aus denen sie bestehen.[19]
In der Ambraser Kunstkammer befindet sich die älteste und auch größte Sammlung an Korallen. Gesammelt wurden einerseits unbearbeitete Korallenäste und andererseits künstlerisch verarbeitete und zum Teil zu Figuren geschnittene Korallen. Die in den Inventaren als „corallenziglen“ oder „möhrgewächs“, also Meeresgewächs, bezeichneten Korallen erwarb der Erzherzog vor allem bei italienischen Händlern. So zum Beispiel 1581 um 1500 Gulden beim Genuesen Baptist Semio oder 1590 um 300 Kronen beim Venezianer Baptist Vialla. Auch in Trapani gefertigte Korallenarbeiten wurden für die ferdinandeische Kunstkammer erworben. Dazu gehörten in der retroincastro-Technik gefertigte Wanddekorationen, Weihwasserbecken, Schüsseln, Teller, Kannen, ein Tisch wie auch die bereits erwähnte Kassette.[20]
Die Geschichte der Korallenverarbeitung in Trapani
Die Kunstwerke aus Koralle, deren Herstellung in Trapani ihren Höhepunkt vom späten 16. bis ins frühe 18. Jahrhundert fanden, sind eindrucksvolle Zeugnisse dieser Verbindung faszinierender natürlicher Materialien und der kunsthandwerklichen Bearbeitung. Dieses goldene Zeitalter der Korallenverarbeitung ist ein Resultat bestimmter historischer, kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Faktoren in Sizilien, die die Entstehung des Kunsthandwerks begünstigten.[21]
Trapani ist eine Stadt, die sich im Nordwesten der Insel Siziliens gelegen ist. Dank der strategischen Lage der Insel im Mittelmeer und einem Netzwerk politischer und diplomatischer Beziehungen entwickelte sie sich unter arabischem Einfluss bereits im Mittelalter zu einer bedeutenden Hafen- und Handelsstadt. Vor allem zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert war sie ein Knotenpunkt für Handelsbeziehungen von Spanien bis nach Vorderasien und Nordafrika. Bedeutende Korallenriffe wurden 1416 und 1418 in der See rund um Trapani und 1439 an der Nordwestküste bei San Vito Lo Capo entdeckt. Das Korallenhandwerk und der Handel haben sich in Trapani vor allem durch jüdische Handwerksleute entwickelt. Die Korallenfischerei wurde hingegen zum Großteil von Christen betrieben. Bereits seit dem 4. bis 5. Jahrhundert und dann vermehrt seit dem 9. Jahrhundert gab es jüdische Gemeinden und Zuwanderung in der Region, da während der arabischen, normannischen und schließlich schwäbischen Herrschaft in Sizilien religiöse Toleranz gegenüber dem Judentum herrschte. Von 1418 bis 1460 zählte Trapani über 70 Korallenarbeiter, darunter Meister (27 Juden und 3 Nichtjuden), Arbeiter und Lehrlinge (40 Juden und 3 Nichtjuden), die ihr Handwerk über vier Generationen von Vater zu Sohn weitergaben.
Einen Einschnitt brachte schließlich das Jahr 1492 als Ferdinand[22] (1452-1516) und Isabella[23] von Kastilien (1451-1504) in Sizilien die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung veranlassten. Handel und Verarbeitung von Korallen gingen dadurch stark zurück, Besitztümer wurden beschlagnahmt. Viele Handwerker mussten auswandern, es war ihnen nur nach Konversion zum christlichen Glauben erlaubt zu bleiben oder zurückzukommen. Durch Übertritte zum Christentum und die wenigen christlichen Handwerker die es gab, war es möglich die Kunst der Korallenbearbeitung am Leben zu erhalten. Im frühen 16. Jahrhundert hatte sich das Kunsthandwerk wieder erholt und erreichte zum Ende des Jahrhunderts einen ersten Höhepunkt.[24]
Anfänglich beschränkte sich die Produktion hauptsächlich auf die Herstellung runder und ovaler Perlen zur Fertigung von Rosenkränzen und Paternoster-Gebetsperlen wie auch kleinere Schnitzereien. Diese Perlen wurden auch in den Osten exportiert, da es auch im Islam, Hinduismus und Buddhismus Bedarf für Gebetsperlen gab – die apotropäischen Eigenschaften der Koralle waren in vielen Kulturen verwurzelt. Durch die Entdeckung weiterer Korallenriffe bei Tabarka, einem Ort an der Mittelmeerküste von Tunesien, zwischen 1530 und 1525 und steigender Nachfrage kam zu einem weiteren Aufschwung der Korallenverarbeitung. Das Objekt des Monats ist ein Beispiel für die charakteristischen Formen der Handwerkskunst aus Trapani, die sich in der kontrastreichen Kombination von Koralle und vergoldetem Kupfer, gearbeitet in der retroincastro-Technik zeigt. Neben der Verarbeitung von Koralle hat auch die Goldschmiedekunst eine lange Tradition in Trapani. Ein weiteres Merkmal ist die Verwendung von Email. Die opaken Glasschmelzelemente wurden bevorzugt in den Farben Weiß und Blau verwendet und dienten zusammen mit Koralle als Dekor bei den Arbeiten der Goldschmiede. Besondere Stücke konnten zusätzlich auch mit Lapslazuli verziert werden. Das sogenannte „goldene Zeitalter“ des Kunsthandwerks in Trapani fand seinen Höhepunkt im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Vielzahl von dekorativen, profanen wie auch sakralen Geständen wurden geschaffen. Dazu gehörten Schalen, Tabletts, Gefäße, Schatullen, Schmuckkästchen, Wanddekorationen oder auch Weihwasserbecken und natürlich auch Schmuckstücke. Werke wurden nach ganz Europa an aristokratische Kundschaft geschickt und fanden Eingang in die Kunstkammern. Im fortlaufenden 18. Jahrhundert nahm auch die Beliebtheit der Koralle schließlich ab, andere Materialien wie Perlmutt, Elfenbein, Schildpatt oder Bernstein traten stärken in den Vordergrund. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren auch die Rohstoffvorkommen im Mittelmeer deutlich zurück gegangen, was zu einem weiteren Rückgang der verschiedenen Handwerkszweige führte. Die Kunst der Korallenverarbeitung ist aber bis heute lebendig. Vor allem in den 1980er Jahren wurden in Italien große Versuche unternommen das Interesse wiederzubeleben. Und so arbeiten auch im 21. Jahrhundert in Trapani noch Handwerksmeisterinnen und -meister mit traditionellen Techniken.[25]
Del Mare, Cristina: Sicilian Coral from 11th to 17th. Merchants, tradition and Jewish craftsmen. In: Del Mare, Cristina/Di Natale, Maria Concetta: Mirabilia coralii. Capolavori barocchi in Corallo tra maestranze ebraiche e trapanesi. Baroque masterpieces in coral by Jewish and Sicilian craftsmen in Trapani. Ausst.-Kat., Neapel 2009, S. 10-53.
Di Natale, Maria Concetta: The art of coral-working in Trapani. In: Del Mare, Cristina/Di Natale, Maria Concetta: Mirabilia coralii. Capolavori barocchi in Corallo tra maestranze ebraiche e trapanesi. Baroque masterpieces in coral by Jewish and Sicilian craftsmen in Trapani. Ausst.-Kat., Neapel 2009, S. 54-87.
Dommermuth-Gudrich, Gerold: 50 Klassiker Mythen. Die bekanntesten Mythen der griechischen Antike. Hildesheim 2000.
Jiménez, Carlos/Orejas, Covadonga: The Builders of the Oceans – Part II: Corals from the Past to the present (The Stone from the Sea). In: Rossi, Sergio et al. (Hg.): Marine Animal Forests. The Ecology of Benthic Biodiversity Hotspots. Cham 2017, S. 657-697.
Kerényi, Karl: Die mythologie der Griechen. Götter, Menschen und Heroen. Stuttgart 2015 [1997].
Kurts, Friedrich: Handbuch der Mythologie. Essen 1997 [1869].
Kuster, Thomas: Korallenstämme. In: Seipel, Wilfried (Hg.): Die Entdeckung der Natur. Naturalien in den Kunstkammern des 16. und 17. Jahrhunderts. Ausst.-Kat., Wien 2006, S. 264-265, Katalognr. 5.20 a,b.
Rauch, Margot: Gesammelte Wunder. Die Naturobjekte in den Kunstkammern und Naturalienkabinetten des 16. und 17. Jahrhunderts. In: Seipel, Wilfried (Hg.): Die Entdeckung der Natur. Naturalien in den Kunstkammern des 16. und 17. Jahrhunderts. Ausst.-Kat., Wien 2006a, S. 11-15.
Rauch, Margot: Herkules im Kampf mit der Hydra. In: Seipel, Wilfried (Hg.): Die Entdeckung der Natur. Naturalien in den Kunstkammern des 16. und 17. Jahrhunderts. Ausst.-Kat., Wien 2006b, S. 266-267, Katalognr. 5.21.
Rauch, Margot: Kunstkammerstücke aus exotischen Materialien. In: Haag, Sabine (Hg.): Fernsucht. Die Suche nach der Fremde vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Ausst.-Kat., Wien/Innsbruck 2009, S. 9-29.
Stegmann, Julia: Koralle. In: Schell Collection (Hg.): Vom Zauber der Materialien. Faszinierende Werkstoffe und ihre Verwendung im alten Kunsthandwerk. Ausst.-Kat., Graz 2025, S. 30.
[17] Vgl. Del Mare, 2009, S. 10; vgl. Stegmann, 2025, S. 30; vgl. Kuster, 2006, S. 264; vgl. Rauch, 2009, S. 19, 21; vgl. Jiménez/Orejas, 2017, S. 680; vgl. Di Natale, 2009, S. 66.
[18] Vgl. Rauch, 2006a, S. 15; vgl. Rauch, 2009, S. 9, 19.
[22] Ferdinand war ab 1468 König von Sizilien, 1474-1504 König von Kastilien und León, ab 1479 regierte er die Reiche der Krone von Aragón, ab 1505 König von Neapel.
[23] Königin von Kastilien und León, Königin von Aragón
Objekt des Monats April 2026
Von Korallen, dem Blut der Medusa und sizilianischem Kunsthandwerk
Ein Kästchen mit Koralle aus Trapani
Das Objekt
Inventarnummer: 4714
Maße: 10 x 13,5 x 7,5 cm
Herkunft: Trapani, Sizilien
Datierung: spätes 16./ frühes 17. Jahrhundert
Standort: September 2025 bis August 2026 in der Sonderausstellung „Vom Zauber der Materialien“, Foyer, Vitrine 4
Das Objekt des Monats April 2026 ist ein kleines Kästchen mit einem tonnengewölbten Deckel, das auf vier gegossenen Füßen in Form von Löwentatzen ruht. Es hat kein Schloss – öffnet man den Deckel findet man das Innere mit rotem Samt ausgekleidet, der im Laufe der Zeit aber wohl erneuert worden ist. Das Kästchen wurde aus vergoldetem Kupfer mit wundervollem Dekor aus roter Koralle (corallium rubrum) und weißem Email in der sogenannten retroincastro-Technik gearbeitet. Diese Technik ist typisch für die kunsthandwerklichen Arbeiten aus der sizilianischen Stadt Trapani, wo das Kästchen im späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert gefertigt worden ist.
Bei dieser Technik wurden polierte Korallenstücke in die vergoldete Oberfläche eingesetzt und formen ein intrikates Muster. Der Korpus der Schatulle ist an der Frontseite mit zwei kleinen Blüten aus weißem Email ausgestaltet, was einen reizvollen Kontrast zu den sie umgebenden tropfenförmigen Blütenblättern aus Koralle schafft. Im Zentrum wurde ein stilisierter Wappenschild aus Korallenelementen geformt. Die beiden Seitenwände sind ebenfalls mit Blütenblättern dekoriert, in deren Zentrum jeweils ein schmaler Ring aus Koralle befestigt ist. Die Ecken wurden zusätzlich mit länglichen Elementen akzentuiert. Der gewölbte Deckel ist an den Rändern mit gravierten Zierleisten aus vergoldetem Kupfer eingefasst. An der Oberseite befindet sich erneut eine Blume aus weißem Email mit umgebenden Blütenblättern aus Koralle, flankiert von halben Blumen derselben Machart. Auch die Seitenwände des Deckels sind mit denselben halbierten floralen Elementen aus Email und Koralle dekoriert. Die restliche Fläche ist mit runden, schoten- und kommaförmigen Elementen aus polierter Koralle in der Art des horror vacui, der Scheu vor der leeren Fläche, versehen.
Vergleichbare Kästchen aus Trapani finden sich beispielsweise in der von Ferdinand II. geschaffenen Kunstkammer in Ambras, in der Sammlung der Banca Popolare di Novara und im Museo Civico in Udine. Das Kästchen aus Ambras stammt ebenfalls aus Trapani und wurde mit Einlegearbeiten aus Koralle und Email gefertigt. Es ist allerdings wesentlich größer, ruht auf Adlerfüßen und ist mit einem Schloss versperrbar. Ein vergleichbares Kästchen auf Löwenfüßen war Teil der Sammlung Manolo March, die 2015 im Auktionshaus Christie’s versteigert wurde. (Link?) Das Museo Regionale “Agostino Pepoli” in Trapani besitzt in seiner Sammlung eine große Auswahl an wunderbaren historischen Korallenarbeiten der trapanesischen Goldschmiede und Kunsthandwerker. Dazu gehört auch ein Schmuckkästchen, das aus Holz, vergoldetem Kupfer, Koralle und Silber gearbeitet wurde. Es wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts geschaffen und zeigt, im Vergleich zum Kästchen der Schell Collection, die Entwicklungen des Korallendekors die sich im Barock herausgebildet haben.
Als retroincastro wird die älteste angewandte Technik bezeichnet, bei der kleine Elemente polierter Koralle in eine vergoldete Kupferplatte eingesetzt wurden. Man befestigte die Korallenstücke mit einem eigenen Klebstoff aus Wachs und Pech auf einem zurechtgeschnittenen Leinenstoff und setzte sie anschließend von hinten in die mit Einschnitten versehene Kupferpatte ein. Im 16. Jahrhundert führte der Handwerksmeister Antonio Ciminello ein neues Werkzeug ein, den sogenannten bulino, der es ermöglichte Skulpturen sehr klein aber trotzdem unglaublich detailreich zu schnitzen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts änderte sich die Technik. Man begann dünne Drähte und Stifte zur Befestigung der Korallenelemente zu verwenden. Diese Technik war zwar simpler in der Durchführung, aber weniger sicher, da sich die Stücke leichter von der Kupferplatte lösen konnten. Ganz im Stil des Spätbarocks und Rokoko begannen sich auch die Formen der Elemente zu ändern. Anstatt der runden, schoten- und kommaförmigen Elemente formte man nun die Korallen zu geschwungenen Blumen- und Pflanzenmotiven, Spiralen und Akanthusblättern. Anstatt farbiger Akzente aus Email, bevorzugte man Filigranarbeiten und Ziselierungen aus Silber.[1]
Die Koralle
Bei Korallen im Allgemeinen handelt es sich um sesshafte, kolonienbildende Nesseltiere. Allerdings eignen sich nur bestimmte Arten zur kunsthandwerklichen Verarbeitung, nämlich nur jene die ein Kalkskelett besitzen. Dazu gehört vor allem die dunkelrote Edelkoralle corallium rubrum, die in den Gewässern des Mittelmeers und dem angrenzenden östlichen Atlantik beheimatet ist. Es handelt sich um kleine Korallentierchen, die in einer Tiefe von 80 bis 200 Metern leben und sich von Meeresplankton ernähren. Durch die Ausscheidung von Calciumcarbonat werden harte, baumartig verzweigte Kalkskelette und Stützgerüste geschaffen. Korallen bilden in der Regel große Kolonien, aus deren Kalkgerüsten ganze Korallenbänke und -riffe entstehen.[2]
Korallen kommen in unterschiedlichen Farbvarianten vor, die häufigsten sind Rot, Rosa und Weiß. Seltener gibt es auch blaue und schwarze Korallen. Die unterschiedlichen Färbungen entstehen durch die Einlagerung von Algen. Unbearbeitet sind die Korallenäste matt und haben einen fast wächsernen Glanz. Werden sie poliert wird der Glanz glasähnlich, was bei der Fertigung von Schmuckstücken, Skulpturen, liturgischen Gegenständen und kunstgewerblichen Objekten besonders geschätzt wird. Durch ihre Härte eignen sich Korallen sehr gut zur kunsthandwerklichen Bearbeitung, Schmuck- und Ziergegenstände sind noch immer sehr beliebt und werden bis heute hergestellt. Sie reagieren allerdings empfindlich auf Hitze und Säure, was dazu führen kann, dass sie an Farbintensität verlieren.[3]
Korallen sind in fast allen Meeren der Welt verbreitet, global gesehen stammt ein Großteil der verarbeiteten Stücke aus dem Südpazifik. Die Bearbeitung von Korallen hat daher in zahlreichen Ländern, darunter beispielsweise Japan, China, Indien und die polynesischen Inseln, eine lange Tradition. Auch im Mittelmeer gibt es, wie eingangs schon erwähnt, bedeutende Korallenvorkommen, vor allem der Art corallium rubrum. Archäologische Funde aus Ägypten, Frankreich und Russland beweisen, dass ihre Verwendung und Bearbeitung schon seit dem Paläolithikum[4] verbreitet war. Korallenperlen und andere bearbeitete Stücke wurden in neolithischen[5] Stätten in Italien, Spanien, Frankreich, dem Alpenraum, den mediterranen Inseln, dem Balkan, der Türkei, Zentralasien, Ägypten und dem Persischen Golf gefunden. Diese Funde weisen auf ein bereits weit verbreitetes Handelsnetzwerk hin, das bis nach Indien reichte. In der Antike wurde die Korallenfischerei und der Handel vor allem in Sizilien, insbesondere in Trapani, aber auch in Ligurien, Korsika und Sardinien betrieben. Neben den sizilianischen Hafenstädten haben sich damals auch Genua, Venedig, Pisa und Barcelona als Handelsorte etabliert. Im frühen Mittelalter wurden weitere Vorkommen an der nordafrikanischen Küste entdeckt. Zwischen dem Ende des 16. Jahrhunderts und dem Beginn des 18. Jahrhunderts erreichte die Verarbeitung und der Handel mit Korallen und daraus hergestellten Gegenständen ihren Höhepunkt.[6]
Für das Fischen der Korallen wurden traditionell kleine Boote, die sogenannten ligudelli, genutzt, die mit einer hölzernen Vorrichtung, dem ingegno, ausgestattet waren. Diese Vorrichtung bestand aus zwei breiten, in Form eines Andreaskreuzes, angeordneten Holzstücken, an denen mehrere Bündel von Netzen hingen. Zum Korallenfang wurde es ins Meer hinabgelassen, in Tiefen von bis zu 150 Metern, und mitgeschleppt. Man bewegte das ingegno während der Fahrt auf und ab, was dazu führte, dass sich die Korallenäste in den in den Netzen verfingen und abgerissen wurden. Diese Methode war sehr invasiv und konnte ganze Riffe zerstören, weshalb sie schließlich 1994 verboten wurde. Heute dürfen Korallen nur mehr von Tauchern gewonnen werden, die einzelne ausgewählte Stücke mit einer Spitzhacke abschneiden.[7]
Die aus dem Meer geholten Korallen wurden anschließend nach Qualität und Farben sortiert. Die Bearbeitung war den Handwerksmeistern und den ihnen assistierenden Korallenschneidern vorbehalten. Zunächst mussten sie gereinigt werden, dabei wurde die äußerste orangefarbene Schicht mit Schabern und Schleifsteinen abgenommen. Unter Zuhilfenahme von Zangen und Feilen wurden die Korallen schließlich in kleinere Stücke zerteilt und geformt. Bei der Herstellung von Perlen, wurden sie zu Kugeln geschliffen und durchbohrt. Größere Äste wurden mit Meißeln zu Skulpturen oder Schmuckstücken gearbeitet.[8]
Blutiger Mythos – Medusa und die Entstehung der Koralle
Schon seit frühester Zeit übt die Koralle eine besondere Faszination auf die Menschheit aus. Das hängt wohl auch mit den Beobachtungen und Mythen rund um ihre wandlungsfähige Natur zusammen: Lange Zeit war nämlich ihre biologische Einordnung unklar, Ovid (43 v. Chr-17 n. Chr) ordnete sie zum Beispiel den Pflanzen zu, Plinius der Ältere (23/24-79 n. Chr.) hingegen zählte sie zu den Mineralien.[9] Die komplexen Symboliken, die man mit der Koralle verbunden hat, sind aus dieser Mehrdeutigkeit entstanden. Sie ist versteinert, obwohl sie kein Mineral ist; sie hat verzweigte Äste, obwohl es sich nicht um eine Pflanze handelt; sie ist blutrot, obwohl sie nicht bluten kann. Hochgeschätzt als Schmuckstein, inspirierten die geheimnisvollen Entstehungsgeschichten der Koralle so außerdem zahlreiche Glaubensvorstellungen in verschiedenen Kulturen. Ihr wurden magische, beschützende und auch heilende Kräfte zugeschrieben. Außerdem machte sie der Umstand, dass sie unter großen Anstrengungen aus den Tiefen des Meeres gewonnen werden musste, umso begehrenswerter.[10] Diese mysteriöse Aura und die unbestimmte Natur zwischen Mineral, Pflanze und Tier behielt die Koralle bis ins 18. Jahrhundert bei. Erst dann wurde durch naturwissenschaftliche Beobachtungen entdeckt, dass es sich bei den Korallen um Meereslebenwesen handelt.[11]
In der klassischen Antike ist es Ovid, der in seinen Metamorphosen den Ursprungsmythos der Koralle überliefert. In Versform erzählen die Metamorphosen in 15 Büchern von der Geschichte der Welt, ein immer wiederkehrendes Thema ist der Prozess der Verwandlung. Auch der Ursprungsmythos der Korallen wird durch solch einen Verwandlungsprozess erklärt. Sie seien entstanden, nachdem Medusa, deren Anblick alles zu Stein erstarren ließ, von dem Heroen Perseus enthauptet wurde und versteinerte Blutspritzer ins Meer gefallen sind. Aber wie kam es dazu, dass die Koralle mit dem Blut der Medusa assoziiert wurde?
In der griechischen und römischen Mythologie war Medusa eine der drei Gorgonen. Hesiod schreibt in seiner um 700 v. Chr. entstandenen Theogenie von den drei Gorgonenschwestern, den Töchtern der Meeresgottheiten Phorkys und Keto: „Auch der Gorgonen Geschlecht, jenseits des Okeanos wohnend,/ Hart an der Grenze der Nacht, bei den singenden Hesperiden,/ Sthe[i]no, Euryale auch, und die jammervolle Medusa.“[12] Viele Autoren beschreiben die Gorgonen als furchtbar anzuschauende Ungeheuer mit Schlangenhaaren, Drachenschuppen, Hauer wie die eines Ebers, ehernen[13] Händen und goldenen Flügeln. Im Gegensatz zu ihren Schwestern war Medusa aber sterblich. Wie Medusa zu dem schlangenhaarigen Ungeheuer wurde, als dass sie so oft beschrieben wird, ist allerdings je nach Quelle unterschiedlich überliefert. Frühe Texte erwähnen oft überhaupt nur eine Gorgone beziehungsweise beschreiben sie von Beginn an als schrecklich anzusehendes Monster. Spätere Dichtungen stellen sie hingegen als schöne junge Frau dar, die die Aufmerksamkeit des Meeresgottes Poseidon erregte und von ihm im Tempel der Pallas Athene vergewaltigt wurde. Die jungfräuliche Göttin Athene bestrafte daraufhin Medusa und verwandelte sie in das Wesen mit Schlangenhaar, dessen Anblick alles zu Stein erstarren ließ. In vielen Darstellungen trägt Athene auch das Medusenhaupt auf ihrem Schild.[14]
Wie es dazu kam, dass das Blut der Medusa vergossen wurde erzählt der Mythos des Perseus, der sterbliche Sohn des Zeus und der Danaë. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, die Gorgone zu töten. Von Athene und Hermes mit einem glänzenden Bronzeschild, einer diamantenen Sichel, geflügelten Sandalen, einem Sack und einer Tarnkappe unterstützt, drang er in die Höhle der Schwestern ein. Nur auf die Spiegelung seines Schildes blickend um nicht versteinert zu werden, näherte er sich und enthauptete die schlafende Medusa mit einem Hieb. Er steckte ihren abgeschlagenen Kopf in den Sack und flüchtete. Aus Medusas Körper entsprang das geflügelte Pferd Pegasos und der Krieger Chrysaor. Bei seinen weiteren Abenteuern nutzte Perseus das Medusenhaupt als seine mächtigste Waffe, denn selbst im Tod wirkte ihr Anblick versteinernd. Der entscheidende Moment der Korallen fand statt, nachdem Perseus die Prinzessin Andromeda vor einem Seeungeheuer gerettet und befreit hatte. Er kniete sich an den Strand um sich das Blut von den Händen zu waschen und bettete das Medusenhaupt neben sich auf Laub und Äste. Medusas Blut benetzte die Pflanzen und transformierte sie so zu Korallen.[15] Ovid beschrieb das Ereignis wie folgt:
Selbst nun spület der Held die siegenden Händ‘ in der Woge.
Aber damit er nicht schade dem Schlangenhaupt in dem Meerkies,
Lockert er Laub auf die Erd‘, und im Abgrund wachsende Reiser
Streut er, und leget darauf das Gesicht der Phorkide Medusa.
Siehe das Reis, noch frisch, und mit saugendem Marke belebet,
Raffte des Scheusals Kraft, und erhärtete von der Berührung;
Äste zugleich und Blätter umzog fremdartige Starrheit.
Staunend nahn die Nymphen des Meers, und versuchen das Wunder
Noch an mehreren Reis, und freuen sich gleichen Erfolges.
Samen davon erneun sie, umher durch die Wogen ihn streuend.
Und auch jetzt ist gleiche Natur den Korallen geblieben:
Daß von berührender Luft sie Härt‘ annehmen, und, was erst
Schmeidig am Meergrund wuchs, gleich über dem Meer sich versteinert.[16]
Das Blut der Medusa soll laut dem Mythos also Pflanzen in die scheinbar versteinerten Korallen verwandelt haben. Auch der alte Name der Edelkoralle in der zoologischen Taxonomie nahm Bezug auf diese Verbindung. Seit 1789 lautete die lateinische Bezeichnung Gorgonia nobilis, erst 1816 wurde es in den heute üblichen Namen Corallium rubrum geändert.
Der apotropäische Charakter der antiken Medusenhäupter, die auf Gegenständen und Gebäuden angebracht wurden und so als Schutzsymbol dienten, ging auch auf die Koralle über. Bis heute werden sie als mächtige Talismane gegen den „bösen Blick“ gesehen. Auch im Christentum, das vor allem in seinen Anfängen die Praktiken und Glaubensvorstellungen der früheren Religionen oft assimilierte, nahm die Koralle durch die Assoziation mit dem Blut beschützende Funktionen an. Sie wurde zum Symbol für das Blut Christi, das zur Erlösung der Menschheit vergossen wurde. Talismane aus Koralle sollten nicht nur vor geistigen Übeln bewahren, man glaubte, dass sie auch vor körperlichem Unheil schützen. Diese Kräfte sollen auch auf die Gefäße, die mit Koralle verziert sind, übergehen. Gerne wurde das Material daher auch für Votivbildnisse und Rosenkränze, sowie den Dekor von Kelchen und Monstranzen gewählt. In pulverisierter Form galt die Koralle auch als Heilmittel für verschiedene Bluterkrankungen und Menstruationsbeschwerden.[17]
Die Koralle als wundersame Naturalie in der Kunstkammer
Ende des 16. Jahrhunderts nahmen in Europa die Erkenntnisse über die Welt rapide zu. Dies geschah vor allem durch die großen Entdeckungsreisen jener Zeit, die auch die Lust am Sammeln fremder und wundersamer Objekte verstärkten. Die Kunst- und Wunderkammern, die in dieser Zeit von fürstlichen wie gelehrten Sammlern angelegt wurden, sind Ausdruck dieses Zeitgeistes. Sie spiegeln den Glauben wider, dass die ganze Schöpfung in ihrer Vielfalt eine Einheit bildete. Dieser Wunsch die Welt darzustellen und zu katalogisieren führte zur Entstehung der Kunstkammern, in denen versucht wurde enzyklopädische Universalsammlungen anzulegen und die ganze Welt im Kleinen zu erfassen; man sprach damals vom Makrokosmos im Mikrokosmos. Neben dem Forschungsdrang spielte die Faszination des Fremden und Ungewöhnlichen eine große Rolle – die Koralle als fremdartiges Mischwesen aus den Tiefen des Meeres war daher ein besonders begehrtes Objekt in den Kunstkammern Europas.[18]
Die Kunst- und Wunderkammer, die Erzherzog Ferdinand II. von Tirol 1563 in Schloss Ambras in Tirol anlegen ließ, stellte einen der Höhepunkte fürstlichen Sammelns dar und kann als Musterbeispiel einer Kunstkammer der Renaissance gesehen werden. Die Objekte wurden in eigens angefertigten Schränken, mit passender Hintergrundfarbe und Beleuchtung ausgestellt und können auch noch heute als Gesamtensemble erlebt werden. Die Aufstellung folgte einer bestimmten Ordnung, die sich nach der Gleichartigkeit der Materialien richtete. Dieses Ordnungssystem baute thematisch auf die Historia naturalis von Plinius dem Älteren (23/24-79 n. Chr.) auf, in der er Kunstwerke in Zusammenhang mit den Stoffen beschreibt, aus denen sie bestehen.[19]
In der Ambraser Kunstkammer befindet sich die älteste und auch größte Sammlung an Korallen. Gesammelt wurden einerseits unbearbeitete Korallenäste und andererseits künstlerisch verarbeitete und zum Teil zu Figuren geschnittene Korallen. Die in den Inventaren als „corallenziglen“ oder „möhrgewächs“, also Meeresgewächs, bezeichneten Korallen erwarb der Erzherzog vor allem bei italienischen Händlern. So zum Beispiel 1581 um 1500 Gulden beim Genuesen Baptist Semio oder 1590 um 300 Kronen beim Venezianer Baptist Vialla. Auch in Trapani gefertigte Korallenarbeiten wurden für die ferdinandeische Kunstkammer erworben. Dazu gehörten in der retroincastro-Technik gefertigte Wanddekorationen, Weihwasserbecken, Schüsseln, Teller, Kannen, ein Tisch wie auch die bereits erwähnte Kassette.[20]
Die Geschichte der Korallenverarbeitung in Trapani
Die Kunstwerke aus Koralle, deren Herstellung in Trapani ihren Höhepunkt vom späten 16. bis ins frühe 18. Jahrhundert fanden, sind eindrucksvolle Zeugnisse dieser Verbindung faszinierender natürlicher Materialien und der kunsthandwerklichen Bearbeitung. Dieses goldene Zeitalter der Korallenverarbeitung ist ein Resultat bestimmter historischer, kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Faktoren in Sizilien, die die Entstehung des Kunsthandwerks begünstigten.[21]
Trapani ist eine Stadt, die sich im Nordwesten der Insel Siziliens gelegen ist. Dank der strategischen Lage der Insel im Mittelmeer und einem Netzwerk politischer und diplomatischer Beziehungen entwickelte sie sich unter arabischem Einfluss bereits im Mittelalter zu einer bedeutenden Hafen- und Handelsstadt. Vor allem zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert war sie ein Knotenpunkt für Handelsbeziehungen von Spanien bis nach Vorderasien und Nordafrika. Bedeutende Korallenriffe wurden 1416 und 1418 in der See rund um Trapani und 1439 an der Nordwestküste bei San Vito Lo Capo entdeckt. Das Korallenhandwerk und der Handel haben sich in Trapani vor allem durch jüdische Handwerksleute entwickelt. Die Korallenfischerei wurde hingegen zum Großteil von Christen betrieben. Bereits seit dem 4. bis 5. Jahrhundert und dann vermehrt seit dem 9. Jahrhundert gab es jüdische Gemeinden und Zuwanderung in der Region, da während der arabischen, normannischen und schließlich schwäbischen Herrschaft in Sizilien religiöse Toleranz gegenüber dem Judentum herrschte. Von 1418 bis 1460 zählte Trapani über 70 Korallenarbeiter, darunter Meister (27 Juden und 3 Nichtjuden), Arbeiter und Lehrlinge (40 Juden und 3 Nichtjuden), die ihr Handwerk über vier Generationen von Vater zu Sohn weitergaben.
Einen Einschnitt brachte schließlich das Jahr 1492 als Ferdinand[22] (1452-1516) und Isabella[23] von Kastilien (1451-1504) in Sizilien die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung veranlassten. Handel und Verarbeitung von Korallen gingen dadurch stark zurück, Besitztümer wurden beschlagnahmt. Viele Handwerker mussten auswandern, es war ihnen nur nach Konversion zum christlichen Glauben erlaubt zu bleiben oder zurückzukommen. Durch Übertritte zum Christentum und die wenigen christlichen Handwerker die es gab, war es möglich die Kunst der Korallenbearbeitung am Leben zu erhalten. Im frühen 16. Jahrhundert hatte sich das Kunsthandwerk wieder erholt und erreichte zum Ende des Jahrhunderts einen ersten Höhepunkt.[24]
Anfänglich beschränkte sich die Produktion hauptsächlich auf die Herstellung runder und ovaler Perlen zur Fertigung von Rosenkränzen und Paternoster-Gebetsperlen wie auch kleinere Schnitzereien. Diese Perlen wurden auch in den Osten exportiert, da es auch im Islam, Hinduismus und Buddhismus Bedarf für Gebetsperlen gab – die apotropäischen Eigenschaften der Koralle waren in vielen Kulturen verwurzelt. Durch die Entdeckung weiterer Korallenriffe bei Tabarka, einem Ort an der Mittelmeerküste von Tunesien, zwischen 1530 und 1525 und steigender Nachfrage kam zu einem weiteren Aufschwung der Korallenverarbeitung. Das Objekt des Monats ist ein Beispiel für die charakteristischen Formen der Handwerkskunst aus Trapani, die sich in der kontrastreichen Kombination von Koralle und vergoldetem Kupfer, gearbeitet in der retroincastro-Technik zeigt. Neben der Verarbeitung von Koralle hat auch die Goldschmiedekunst eine lange Tradition in Trapani. Ein weiteres Merkmal ist die Verwendung von Email. Die opaken Glasschmelzelemente wurden bevorzugt in den Farben Weiß und Blau verwendet und dienten zusammen mit Koralle als Dekor bei den Arbeiten der Goldschmiede. Besondere Stücke konnten zusätzlich auch mit Lapslazuli verziert werden. Das sogenannte „goldene Zeitalter“ des Kunsthandwerks in Trapani fand seinen Höhepunkt im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Vielzahl von dekorativen, profanen wie auch sakralen Geständen wurden geschaffen. Dazu gehörten Schalen, Tabletts, Gefäße, Schatullen, Schmuckkästchen, Wanddekorationen oder auch Weihwasserbecken und natürlich auch Schmuckstücke. Werke wurden nach ganz Europa an aristokratische Kundschaft geschickt und fanden Eingang in die Kunstkammern. Im fortlaufenden 18. Jahrhundert nahm auch die Beliebtheit der Koralle schließlich ab, andere Materialien wie Perlmutt, Elfenbein, Schildpatt oder Bernstein traten stärken in den Vordergrund. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren auch die Rohstoffvorkommen im Mittelmeer deutlich zurück gegangen, was zu einem weiteren Rückgang der verschiedenen Handwerkszweige führte. Die Kunst der Korallenverarbeitung ist aber bis heute lebendig. Vor allem in den 1980er Jahren wurden in Italien große Versuche unternommen das Interesse wiederzubeleben. Und so arbeiten auch im 21. Jahrhundert in Trapani noch Handwerksmeisterinnen und -meister mit traditionellen Techniken.[25]
Text: Julia Stegmann, BA
Quellen
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Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. Verwandlungen, lat.-dt., übers. v. Johann Heinrich Voß, o.O. 1798. Online verfügbar: https://projekt-gutenberg.org/authors/ovid/books/metamorphosen/ (Zugriff 10.03.2026).
Bibliografie
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Di Natale, Maria Concetta: The art of coral-working in Trapani. In: Del Mare, Cristina/Di Natale, Maria Concetta: Mirabilia coralii. Capolavori barocchi in Corallo tra maestranze ebraiche e trapanesi. Baroque masterpieces in coral by Jewish and Sicilian craftsmen in Trapani. Ausst.-Kat., Neapel 2009, S. 54-87.
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Kurts, Friedrich: Handbuch der Mythologie. Essen 1997 [1869].
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Rauch, Margot: Herkules im Kampf mit der Hydra. In: Seipel, Wilfried (Hg.): Die Entdeckung der Natur. Naturalien in den Kunstkammern des 16. und 17. Jahrhunderts. Ausst.-Kat., Wien 2006b, S. 266-267, Katalognr. 5.21.
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Online Quellen
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https://www.fondazionecologni.it/en/interviste/ar/platimiro-fiorenza (Zugriff 10.03.2026).
https://www.theoi.com/Pontios/Gorgones.html (Zugriff 26.03.2026).
Abbildungsverzeichnis
[1] Vgl. Di Natale, 2009, S. 54, 60; vgl. https://coralliepreziosi.it/trapani-citta-dei-coralli/?lang=en.
[2] Vgl. Stegmann, 2025, S. 30; vgl. Pellin, 2016, https://materialarchiv.ch/de/ma:material_1832?type=all; vgl. https://www.fondazioneterzopilastrointernazionale.it/project/i-grandi-capolavori-del-corallo/.
[3] Vgl. Pellin, 2016, https://materialarchiv.ch/de/ma:material_1832?type=all; vgl. Stegmann, 2025, S. 30.
[4] Altsteinzeit
[5] Jungsteinzeit
[6] Vgl. Rauch, 2006b, S. 267; vgl. Jiménez/Orejas, 2017, S. 659-660; vgl. Stegmann, 2025, S. 30; vgl. Rauch, 2009, S. 19; vgl. Del Mare, 2009, S. 10.
[7] Vgl. Del Mare, 2009, S. 30; vgl. https://coralliepreziosi.it/trapani-citta-dei-coralli/?lang=en; vgl. https://www.fondazionecologni.it/en/interviste/ar/platimiro-fiorenza.
[8] Vgl. https://coralliepreziosi.it/trapani-citta-dei-coralli/?lang=en.
[9] Vgl. Del Mare, 2009, S. 10; vgl. Kuster, 2006, S. 264; vgl. Stegmann, 2025, S. 30.
[10] Vgl. Del Mare, 2009, S. 10.
[11] Vgl. Del Mare, 2009, S. 14.
[12] Hes. theog. 1, 269-271 (Voß).
[13] erzen, eisern.
[14] Vgl. Kerényi, 2015, S. 45; vgl. Kurts, 1997, S. 79; vgl. Dommermuth-Gudrich, 2000, S. 170-175; vgl. https://www.theoi.com/Pontios/Gorgones.html.
[15] Vgl. Kerényi, 2015, S. 45-46; vgl. Dommermuth-Gudrich, 2000, S. 170-175, 222-223.
[16] Ov. met. 5, 24, 740-752 (Voß).
[17] Vgl. Del Mare, 2009, S. 10; vgl. Stegmann, 2025, S. 30; vgl. Kuster, 2006, S. 264; vgl. Rauch, 2009, S. 19, 21; vgl. Jiménez/Orejas, 2017, S. 680; vgl. Di Natale, 2009, S. 66.
[18] Vgl. Rauch, 2006a, S. 15; vgl. Rauch, 2009, S. 9, 19.
[19] Vgl. Rauch, 2006a, S. 13.
[20] Vgl. Rauch, 2009, S. 19.
[21] Vgl. Del Mare, 2009, S. 10.
[22] Ferdinand war ab 1468 König von Sizilien, 1474-1504 König von Kastilien und León, ab 1479 regierte er die Reiche der Krone von Aragón, ab 1505 König von Neapel.
[23] Königin von Kastilien und León, Königin von Aragón
[24] Vgl. Del Mare, 2009, S. 44-46.
[25] Vgl. Del Mare, 2009, S. 24, 28, 32, 40- 48; vgl Di Natale, 2009, S. 54, 60, 67; vgl. https://coralliepreziosi.it/trapani-citta-dei-coralli/?lang=en.