Ein französisches Kästchen mit besonderem Schloss „Henri“ und seine Kompagnons
Beim Objekt des Monats März handelt es sich um eine Renaissance-Kassette aus Frankreich mit Stoffüberzug und gewölbtem Deckel. Besonders spannend ist hierbei der Sperrmechanismus, denn dieses Objekt zählt zu einer sehr kleinen Gruppe von Kästchen aus Frankreich, die im 16. Jahrhundert geschaffen wurden und mit fest eingebauten Buchstabenkombinationsschlössern versperrt wurden. Falls Sie also etwas mehr über diese seltenen Prunkstücke erfahren wollen, dann sind Sie hier genau richtig!
Abb. 1: Kassette „Henri“ mit Buchstabenkombinationsschloss, Frankreich, 16. Jahrhundert
Das Objekt
Inventarnummer: 4215
Standort: von September 2025 bis August 2026 in der Sonderausstellung „Vom Zauber der Materialien“, Foyer Vitrine 6 zu besichtigen.
Maße: 17,7 x 11,5 x 12,4 cm
Datierung: 16. Jahrhundert (um 1570/80)
Herkunft: Frankreich, möglicherweise Paris
Der Korpus des Objekts besteht aus Holz und hat einen rechteckigen Grundriss. Das gesamte Kästchen ist mit rotem Samtstoff überzogen, der über die Jahrhunderte abgenutzt wurde. Der Deckel hat die Form eines Tonnengewölbes und wird von einem feuervergoldeten Tragegriff aus Metall bekrönt. Die Ösen, an denen der Griff befestigt ist, entspringen dem Mund eines Maskarons. An der Frontseite befindet sich ein erkerartig hervorstehendes Buchstabenkombinationsschloss, bestehend aus fünf übereinander angebrachten Ringen mit jeweils zwanzig eingravierten Buchstaben. (Abb. 2) Diese sind vermutlich individuell graviert worden, weil sie leicht in ihrer Größe und Form variieren. Es handelt sich dabei nur um Kleinbuchstaben.
a b c d e f g h i k l m n o p q r s t u
Die korrekte Kombination, die das Schloss öffnet, ist das Wort „henri“. Das Objekt des Monats hat in der Schell Collection deshalb schon seit vielen Jahren das Lösungswort als liebevollen Spitznamen bekommen und wird „Henri“ genannt.
Abb. 2: Detail, Frontalansicht Buchstabenkombinationsschloss mit markiertem Lösungswort „henri“.
Im Kombinationsschloss steckt von oben eine Art Riegel, der oft auch als Bolzen oder Sperrhebel bezeichnet wird. (Abb. 3) Dieser ist von einem Baldachindach bekrönt und wurde – wie an späterer Stelle beim Vergleich mit ähnlichen Objekten deutlich wird – mit großer Wahrscheinlichkeit nachgemacht. Wenn man den Sperrhebel aus dem Schloss herauszieht und separat betrachtet, erinnert die Form an einen Schlüssel. Er wird durch eine dafür vorgesehene Öffnung im Deckel direkt in das Kombinationsschloss geführt. (Abb. 4) Wenn die Reihenfolge der Buchstaben dann durcheinander gebracht wird, ist das Schloss versperrt. Mehr zur Funktionsweise dieser Sperrmechanismen finden Sie unter dem Punkt Kombinationsschlösser allgemein.
Alle Kanten des Objekts sind mit feuervergoldeten Zierleisten aus Metall beschlagen, die mit feinen Mustern versehen sind und an architektonische Elemente erinnern. Vier Pilaster, die auf vier quadratischen Füßchen stehen, zieren die Ecken des Kästchens und zeigen geflügelte Putti in den Kapitellen. Das Metall wurde durch Nieten am hölzernen Untergrund befestigt. Rundum sind sechs kunstvoll geformte, vergoldete und gravierte Kartuschen montiert, auf denen biblische Szenen aus dem Neuen Testament abgebildet sind. Zwei der Kartuschen befinden sich auf der Vorderseite, rechts und links vom Kombinationsschloss. Zwei weitere sind auf der Rückseite angebracht und jeweils eine an jeder der Seitenwände. Das verwendete Metall ist wahrscheinlich Kupfer, könnte aber auch Bronze sein.
Im Inneren des Deckels ist das Siegel eines deutschsprachigen Druckers aus dem späten 15./frühen 16. Jahrhundert zu sehen, auf das an späterer Stelle noch eingegangen wird.
Kombinationsschlösser allgemein
Kombinationsschlösser werden ohne Schlüssel geöffnet. Mehrere drehbare Ringe bzw. Scheiben stecken als Zuhaltungen auf einem Riegel bzw. Sperrhebel, der an beiden Seiten beispielsweise durch Wände geschlossen ist. Bei Vorhangschlössern sind diese Seitenwände durch den Bügel verbunden. Die Ringe sind mit Buchstaben oder Zahlen versehen, die ein Wort oder einen Zifferncode ergeben müssen, um das Schloss zu öffnen. Die simpelste Version des Kombinationsschlosses lässt sich öffnen, indem eine Seitenwand samt dem Sperrhebel herausgezogen wird, wie es auch beim Objekt des Monats der Fall ist. Der Sperrhebel ist im Normalfall mit Ausbuchtungen oder herausstehenden „Zähnen“ versehen, welche den Sperrmechanismus geschlossen halten. Die darauf angebrachten Ringe mit den Buchstaben oder Zahlen haben wiederum eine Einkerbung im Inneren. Wenn die korrekte Buchstaben- oder Zahlenkombination eingegeben wird, befinden sich alle Einkerbungen in einer Reihe übereinander und der Sperrhebel kann problemlos herausgezogen werden, um das Schloss zu öffnen. Abhängig von der Menge der Ringe und eingravierten Zeichen gibt es eine hohe Anzahl möglicher richtiger Kombinationen, weshalb diese Schlösser zumindest auf den ersten Blick sehr sicher erscheinen.[1]
In Europa soll das Kombinationsschloss angeblich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Nürnberg erfunden worden sein. Die Erfindung setzte sich allerdings nicht unbedingt durch. Erst ab dem späten 18. Jahrhundert kann man von einer häufigeren Verwendung von Kombinationsschlössern in Europa sprechen. In den meisten Fällen handelte es sich allerdings um Vorhangschlösser. Schon im 19. Jahrhundert, einer Zeit in der viele neue Arten von Schlössern und Sperrmechanismen auf den Markt kamen, wurde die Kritik an Kombinationsschlössern laut. Sie galten als zu simpel und nicht sicher genug, es war zu einfach sie aufzubrechen. Wenn ein potenzieller Dieb die Zeit hatte, viele Kombinationen auszuprobieren, dann war die Chance hoch, dass er die richtige Reihenfolge der Zeichen durch Geschick oder Zufall erriet.[2]
Abb. 3: Sperrhebel der Kassette „Henri“.
Abb. 4: Detail, Ansicht geöffnetes Buchstabenkombinationsschloss ohne Sperrhebel von oben.
Gravierte Kartuschen mit biblischen Szenen
Die Kassette „Henri“ ist mit insgesamt sechs Kartuschen versehen, jeweils zwei an der Vorder- und Rückwand sowie jeweils eine an jeder Seitenwand des Objekts. Auf diesen sind Szenen aus dem Neuen Testament abgebildet, die sich um die Geburt Jesu drehen und aus den Evangelien von Lukas und Matthäus stammen. In der Frontalansicht befindet sich links vom Buchstabenkombinationsschloss die Geburt Christi und rechts davon die Verkündigung an die Hirten. Weiterhin von der Frontseite aus gesehen befindet sich an der rechten Seitenwand die Anbetungder Könige und an der linken Seitenwand die Beschneidung Jesu. Dreht man das Kästchen um, befinden sich auf der Rückseite wieder zwei Kartuschen. Die linke davon zeigt die Verkündigung an Maria und die rechte die Heimsuchung Mariens.
Werfen wir in dieser Reihenfolge einen genaueren Blick auf die Kartuschen:
Vorderseite: „Geburt Christi“ und „Verkündigung an die Hirten“
Die Geburt Christi ist am Objekt des Monats im Rahmen der gewohnten Bildtradition ausgeführt worden. Das nackte Jesuskind liegt am rechten unteren Rand des Bildes auf dem Boden, sein Kopf ist von einem Heiligenschein umgeben. Links von ihm befindet sich Maria mit gefalteten Händen im Anbetungsgestus. Sie trägt fließende Gewänder und auch ihr Haupt wird von einem Heiligenschein geziert. Der Esel und der Ochse sind zentral im Bild zu sehen. Im Hintergrund befinden sich ein Gebäude mit Giebeldach und ein Zaun, Hinweise auf die Geburt im Stall. Josef ist rechts im Hintergrund zu sehen, er steht hinter dem Zaun und hält eine brennende Kerze in der Hand, mit der die Szene beleuchtet wird. (Abb. 5)
Die Geburt Christi zeigt in der Kunst nie den tatsächlichen Geburtsvorgang, durch den Jesus Christus auf die Welt gekommen sein soll (mehr dazu im Objekt des Monats Dezember 2025), sondern Maria und Josef bei der Anbetung des Kindes. Die Geburt Jesu wird im Lukasevangelium geschildert (Lk 2, 1-2) und ist in der Kunst als Szene stets auf dieselbe Weise aufgebaut.[3] Feste Bestandteile sind das meist in der Krippe liegende Christuskind, das von Maria und Josef angebetet wird. Auch der Ochse und der Esel sind immer vorhanden. Späterhin wurden auch die Hirten und die Heiligen Drei Könige ins Bildprogramm eingefügt, um mehrere Bibelstellen in einer Szene zusammenfassen zu können.[4]
Die Verkündigung an die Hirten zeigt den Engel am oberen Rand der Darstellung, umringt von einem Strahlenkranz. Darunter befinden sich die beiden Hirten, an ihren Hirtenstäben zu erkennen, in zeitgenössischer Kleidung des 16. Jahrhunderts. Beide haben ihre Blicke nach oben gen Himmel gerichtet, der rechte Hirte deutet mit seiner Hand auf den Engel. Um die Hirten herum befinden sich einige Lämmer und im Hintergrund auf einem Hügel sieht man ein Gebäude, bei dem es sich um eine Kirche handeln könnte. (Abb. 7)
Die Bibelszene, die in der Kunst als Verkündigung an die Hirten umgesetzt wurde, stammt aus dem Lukasevangelium und erzählt davon, wie eine Gruppe Hirten bei der Nachtwache am Feld von einem Engel überrascht wurde. Der Engel berichtete ihnen von der Geburt des Messias, woraufhin sie sich auf den Weg nach Bethlehem machten um ihm zu huldigen (Lk 2, 8-18).[5]
Abb. 5: Detail Vorderseite, Kartusche mit Abbildung der Geburt Christi.
Abb. 7: Detail Vorderseite, Kartusche mit Abbildung der Verkündigung an die Hirten.
Abb. 6: Hans Schäufelein, Die Geburt Christi, um 1508.
Abb. 8: Taddeo Gaddi, Verkündigung an die Hirten, zwischen 1327 und 1330.
Seitenwände: „Anbetung der Könige“ und „Beschneidung Jesu“
Die Anbetung der Könige ist als einzige der sechs Kartuschen verhältnismäßig abgenutzt und zerkratzt. Trotz des Zustandes kann man die darauf abgebildete Szene allerdings noch gut erkennen. Auf der linken Seite ist Maria sitzend mit dem Jesuskind am Schoß zu sehen. Vor ihr kniet einer der Heiligen Drei Könige, ein bärtiger Mann mit zeitgenössischer Kleidung des Spätmittelalters, und präsentiert dem Messias seine Gabe. Die weiteren „Könige“ sind stehend im Hintergrund mittig und rechts zu sehen. Beide haben Gefäße mit Gaben in den Händen. Der Mann in der Mitte trägt eine Krone, während der Mann auf der rechten Seite einen zugespitzten Hut als Kopfbedeckung hat. Im Hintergrund ist (gleich wie bei der Geburt Christi) wieder das Dach des Stalls zu sehen. (Abb. 9)
Die Szene stammt aus dem Matthäusevangelium, wobei hier nie die Rede von „Königen“ ist (Mt 2, 1-12). Viel eher werden die drei Männer als „Magier“ oder „Weise“ aus dem Orient beschrieben. Vermutlich handelte es sich ursprünglich um Astrologen, gebildete Männer die die Sterne studierten. Nur durch die Deutung des Sterns war ihnen klar, dass im Land des jüdischen Volkes ein Königskind auf die Welt gekommen war. Der Stern wies ihnen den Weg zur Geburtsstätte Christi, wohin sie drei kostbare Gaben (Gold, Weihrauch und Myrrhe) für den Messias brachten.[6] Die Anbetung der Könige wird meist im Rahmen der Geburt Christi in der Kunst umgesetzt. Maria thront in dieser Szene meist mit dem Christuskind am Schoß, während die „Könige“ entweder alle kniend vor dem Kind gezeigt werden oder einer kniend und die anderen beiden erwartungsvoll dahinter stehend. Die Präsentation der drei Gaben wird in der Regel ebenso inkludiert.[7]
Die Beschneidung Jesu oder Beschneidung des Herrn wird meist nur im Rahmen von Bildzyklen gezeigt, die sich um die Geburt und frühe Kindheit Jesu drehen, und nicht als alleinstehender Typus. Dementsprechend kennt man die Szene primär aus Buchillustrationen oder von Wandbildern. Laut dem Lukasevangelium wurde Jesus nach jüdischem Brauch am achten Tag nach seiner Geburt beschnitten (Lk 2, 21). Dabei anwesend sind in den Bildprogrammen ein Priester oder ein Beschneider, in manchen Fällen auch beide, sowie Maria und oft auch mehrere namenlose Assistenzfiguren.[8]
Hier auf der Kartusche ist Maria kniend im Vordergrund zu sehen, mit Heiligenschein und fließenden Gewändern. Links hinter ihr befindet sich eine weibliche Figur mit einer Kerze in der Hand, deren Kleidung zeitgenössisch zum 16. Jahrhundert passt, wobei es sich hier vermutlich um eine typische Assistenzfigur oder um Marias Mutter Anna handelt. Die rechte Bildhälfte ist geprägt von einem Priester mit dem Christuskind am Schoß, der gerade die Beschneidung durchzuführen scheint, und einer weiteren männlichen Assistenzfigur am Rand des Bildes. Trotz dessen, dass die Beschneidung keine christliche Praxis ist, fällt die stark an eine Mitra (=Bischofshut im Christentum) erinnernde Kopfbedeckung des Priesters hier auf. (Abb. 11)
Abb. 9: Detail Seitenwand, Kartusche mit Abbildung der Anbetung der Könige.
Abb. 11: Detail Seitenwand, Kartusche mit Abbildung der Beschneidung Jesu.
Abb. 10: Sandro Botticelli, Anbetung der Könige, zwischen 1474 und 1476.
Abb. 12: Michael Pacher, Die Beschneidung des Herrn, zwischen 1479 und 1481.
Rückseite: „Verkündigung an Maria“ und „Heimsuchung Mariens“
Links auf der Rückseite des Kästchens wird die Verkündigung an Maria gezeigt. Auf der Kartusche ist ein geflügelter Engel zu sehen, laut der Bibel der Erzengel Gabriel, mit einem Stab als Attribut. Er schwebt über dem Boden und scheint den Raum gerade erst zu betreten. Ihm gegenüber befindet sich Maria, sitzend an ihrem Lesepult mit einem Buch in der Hand. Sie hat offenes Haar, trägt lange Gewänder und wendet ihren Blick zum Engel. Um ihren Kopf befindet sich ein Heiligenschein, der in diesem Fall ganz anders als auf den anderen Kartuschen schwebend über Marias Kopf angebracht wurde und nicht als Kreis um ihren Kopf herum. Über den Personen sind die Lichtstrahlen Gottes zu sehen sowie eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Zwischen dem Erzengel und Maria befindet sich eine Vase mit Blumen am Boden, wobei es sich in den Verkündigungsszenen meist um weiße Lilien als Symbol der Reinheit handelt. Der Boden ist gefliest, der Hintergrund eine leere Wand. (Abb. 13)
Die Verkündigung an Maria aus dem Lukasevangelium gilt als der Beginn der Lebensgeschichte Jesu (Lk 1, 26-38). Die Fleischwerdung Gottes beginnt mit Marias Zustimmung, Mutter des Messias zu sein. Diese Szene inkludiert in der Kunst normalerweise nur zwei Charaktere, nämlich Maria und den Engel. Meist schwebt der Heilige Geist über den Personen, aber andere Zeugen des Geschehens sind nicht inkludiert.[9]
Abb. 16: Rogier van der Weyden, Heimsuchung, zwischen 1435 und 1440.
Zuletzt widmen wir uns der Heimsuchung Mariens, einer Szene, deren Name im heutigen Sprachgebrauch leicht missverstanden werden kann. Hier besucht die bereits schwangere Maria ihre ebenso schwangere Verwandte Elisabeth, die Mutter Johannes des Täufers, in ihrem Heim. Für den Besuch wurde im Althochdeutschen der Begriff Heimsuchung verwendet. Maria möchte Elisabeth von der frohen Botschaft erzählen, dass sie den Messias in sich trägt. Elisabeth wiederum ist schon im sechsten Monat schwanger mit Johannes dem Täufer. Meist wird die Szene vor einer Landschaft im Hintergrund gezeigt, weil Elisabeth Maria entgegenkommt und sie sich deshalb nicht erst im Haus begegnen. Elisabeth ist älter als Maria und wird meist mit Kopfbedeckung oder Schleier gezeigt. Die beiden Frauen umarmen sich in vielen Fällen, oft verneigt sich Elisabeth ein wenig aus Demut vor dem Messias in Marias Bauch. Die Darstellung basiert ebenso wie die meisten anderen hier genannten auf einer Bibelstelle aus dem Lukasevangelium (Lk 1, 39-56).[10]
Auch hier auf der Kartusche stehen sich die beiden Frauen in fließenden Gewändern gegenüber. Maria trägt wieder einen Heiligenschein und offenes Haar als Zeichen ihrer Jugend, während Elisabeth eine Kopfbedeckung und einen Schleier hat. (Abb. 15)
Abb. 13: Detail Rückwand, Kartusche mit Abbildung der Verkündigung an Maria.
Abb. 15: Detail Rückwand, Kartusche mit Abbildung der Heimsuchung Mariens.
Abb. 14: Leonardo da Vinci, Verkündigung des Herrn, um 1472.
Die aus biblischer wie auch kunsthistorischer Sicht korrekte Reihenfolge der Darstellungen wäre: „Verkündigung an Maria“, „Heimsuchung Mariens“, „Geburt Jesu“, „Verkündigung an die Hirten“, „Beschneidung Jesu“ und „Anbetung der Könige“. Man müsste sich also zuerst die Rückseite ansehen, dann die Vorderseite und zuletzt die Seitenwände. Dementsprechend scheint es so, als ob bei der Anbringung der Kartuschen nicht viel Wert auf die Chronologie gelegt worden wäre.
Abb. 17: Detail Innenseite des Deckels, Papier mit Druckersiegel des Johann Froben.
Druckersiegel im Inneren des Deckels
Innen im Kästchen wurde das Siegel eines Buchdruckers auf Papier in den tonnengewölbten Deckel geklebt. Das Siegel gehört zum deutschen Drucker Johann Froben (1460-1527), der auch als Johannes Frobenius bekannt war. Froben stammte ursprünglich aus Hammelburg in Franken, zog aber in den 1480er Jahren in die Schweiz nach Basel, wo er seit 1490 als Buchdrucker belegbar ist. Im Jahr 1491 druckte er eine Bibel als sein erstes eigenständiges Werk. Ab dann sind jährlich Werke von ihm publiziert worden, manchmal auch in Kooperation mit anderen Druckern aus Basel. Ab 1513 spezialisierte er sich allerdings auf humanistische Literatur und druckte nur noch selbstständig. Bekanntheit erlangte er vor allem als ausschließlicher Buchdrucker des Humanisten Erasmus von Rotterdam.[11]
Das Siegel zeigt zwei Hände, die einen Stab halten, an dem sich zwei Schlangen emporwinden. Er erinnert an den geflügelten Stab des Hermes aus der griechischen Mythologie, um den sich ebenso zwei Schlangen wickeln. Die beiden Tiere tragen Kronen und sind einander zugewandt. Am oberen Ende des Stabs sitzt ein Vogel, der aufgrund der markanten Federn auf seinem Kopf an Vogelarten wie den Magellanspecht oder den Rotkardinal erinnert. Wahrscheinlich handelt es sich allerdings um eine in Europa heimische Art wie die Haubenmeise. Links vom Stab befinden sich die Buchstaben FRO und rechts davon BEN für Johann Frobens Nachnamen. Aus welchem Grund oder zu welchem Zeitpunkt das Siegel in das Kästchen geklebt wurde, ist leider nicht bekannt.
Abb. 18: Detailansicht von oben, Außenseite des Deckels.
Vergleichsobjekte
Bekannt sind uns im Moment nur acht Kassetten, deren Korpus jeweils vergleichbar geformt ist und die mit Buchstabenkombinationsschlössern versperrt werden, weshalb davon ausgegangen wird, dass alle Objekte in derselben französischen Werkstatt hergestellt wurden. Die acht Kassetten sind heute weltweit verteilt in Museen und privaten Sammlungen zu finden.[12] Alle Objekte haben bei den Kombinationsschlössern dieselben Buchstaben in derselben Reihenfolge als Optionen auf den Drehscheiben eingraviert. Beim richtigen Buchstaben befindet sich im Inneren der Scheibe eine Einkerbung. Somit kann der bewegliche Riegel bzw. Sperrhebel, der optisch an einen Schlüssel erinnert, herausgezogen werden, wenn alle korrekten Buchstaben mit den Einkerbungen übereinander gereiht sind. [13] Die Buchstabenkombination, um die Kästchen zu öffnen, scheint in allen Fällen „henri“ zu sein.
Die Grundform der Kassetten ist immer dieselbe, ein langgezogenes Rechteck mit gewölbtem Deckel und Henkel, an der Vorderseite das Kombinationsschloss. Das verwendete Metall für die Dekoration wurde von den meisten Besitzern nicht metallurgisch bestimmt, es handelt sich wahrscheinlich um Kupfer oder Messing, das feuervergoldet wurde. Kästchen dieser Art wurden erfahrungsgemäß zur Aufbewahrung von Schmuck oder Dokumenten verwendet. Sie werden ins 16. Jahrhundert datiert, wobei Unklarheit beim genauen Jahrzehnt vorherrscht. Manche Museen schätzen, dass ihre Kassetten um 1520-1530 hergestellt worden sind, andere eher 1550-1560 und in der Schell Collection ging man bisher wiederum eher von 1570-1580 aus. Hergestellt wurden die Objekte in Frankreich, möglicherweise sogar in Paris. Der Name des Herstellers oder der Werkstatt ist uns allerdings nicht erhalten.
Abb. 19: Vergleichsobjekt Rouen, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert.
Musée Le Secq des Tournelles, Rouen
Ein Kästchen, das dem hier im Fokus stehenden Objekt zum Verwechseln ähnlich sieht, war im 20. Jahrhundert Teil der Sammlung des Musée Le Secq des Tournelles in Frankreich. Es wurde 1943 vom Historiker Henry-René D’Allemagne im Museumskatalog „Les anciens maîtres Serruriers et leurs meilleurs travaux“ publiziert.[14] Ein signifikanter Unterschied ist allerdings, dass statt dem baldachinartigen Verdeck für die Öffnung, in dem der Sperrhebel steckt und den Sperrmechanismus geschlossen hält, hier einfach ein (bestimmt ebenso im Nachhinein gefertigter) „Schlüssel“ eingesteckt wurde. Die Kartuschen zeigen auch bei diesem Objekt dieselben Szenen, die sich um die Geburt Christi drehen, wie das Exponat aus der Schell Collection – die Reihenfolge ist allerdings eine andere.[15] Nach Kontakt mit dem Musée Le Secq des Tournelles befindet sich diese Kassette allerdings nicht mehr in der dortigen Sammlung, der aktuelle Standort sowie die Besitzverhältnisse sind uns also nicht bekannt.
Abb. 20: Vergleichsobjekt Auktion München, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert.
Auktionshaus Hampel, München
Ein ähnliches Objekt wurde im Auktionshaus Hampel in Deutschland im Jahr 2019 versteigert. Leider haben wir keine Information darüber, wer dieses Kästchen erworben hat, weshalb der Aufbewahrungsort derzeit unklar ist. Das Auktionshaus hat die Herkunft des Kästchens nach Italien lokalisiert, wobei es sich hier um eine Fehleinschätzung basierend auf dem schon genannten Werk „Les anciens maîtres Serruriers et leurs meilleurs travaux“ von D’Allemagne handelt. D’Allemagne vermutete die Kassette aus dem Musée Le Secq des Tournelles als venezianisches Erzeugnis.[16] Herr Ewald Berger hatte das Objekt aus der Schell Collection in der Publikation „Prunk-Kassetten“ von 1998 dementsprechend auch als Produkt der italienischen Spätrenaissance eingeschätzt.[17] Diese Vermutung wird in Auktionshäusern bis heute immer wieder zitiert. Inzwischen sind sich allerdings die Museen, in deren Sammlungen sich Vergleichsobjekte befinden einig, dass diese aus Frankreich stammen. Die Schell Collection hat das hier besprochene Objekt seither mehrmals in Publikationen erwähnt und als Herstellungsort Frankreich angegeben, aber diese Informationen sind von Auktionshäusern bisher nicht übernommen worden.[18]
Das in München verkaufte Kästchen hat ebenfalls einen Holzkorpus, der mit Samt bezogen war und inzwischen allerdings zur Gänze abgerieben ist. Der Tragegriff, das Buchstabenkombinationsschloss und die feuervergoldeten Metallbeschläge sind quasi ident zu den Kästchen aus der Schell Collection und dem Musée Le Secq des Tournelles. Über dem Buchstabenkombinationsschloss befindet sich in diesem Fall ein geflügelter Putto, der ein leeres Schild nach vorne gedreht hält. Ein derartiger Putto dürfte ursprünglich auch das Kästchen aus der Schell Collection geziert haben und im Lauf der Jahrhunderte verloren gegangen sein. Er ist mit dem Sperrhebel verbunden, der das Schloss verschließt, bis die richtige Buchstabenkombination eingegeben wird und er herausgezogen werden kann.[19] An Vorder- und Rückseite des Objekts sind in diesem Fall keine christlichen Szenen, sondern Köpfe Römischer Kaiser als Reliefs in feuervergoldeten Medaillons zu sehen. Seitlich sind hier Kartuschen angebracht, die in ihrer Form den Kartuschen des Objekts des Monats ähneln, auf denen allerdings jeweils ein Globus mit zwei Herzen darunter eingraviert worden ist.[20]
Abb. 21: Vergleichsobjekt Auktion London, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert.
Auktionshaus Sotheby’s, London
Ein fast mit der bei Hampel auktionierten Kassette identes Objekt wurde schon 2014 in England versteigert. Auch hier haben wir keine Informationen zum aktuellen Standort des Kästchens. Es stammt aus der Gustav Leonhardt Collection und hat dieselben Medaillons und Kartuschen, wie das zuvor genannte Kästchen. Der rote Samtstoff sieht hier allerdings ähnlich mitgenommen aus wie am Exponat aus der Schell Collection.[21]
Abb. 22: Vergleichsobjekt London, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert.
Victoria and Albert Museum, London
Im Victoria and Albert Museum in England gibt es ebenso ein vergleichbares Kästchen. Dieses Objekt ist überraschend mit blauem statt rotem Samt überzogen. Auch hier ist die Kassette mit feuervergoldeten Metalldetails geschmückt. Wie bei den Vergleichsobjekten, die bei Hampel und Sotheby’s auktioniert wurden, sitzt auch hier ein Putto am Sperrhebel und verschließt das Buchstabenkombinationsschloss. Das Kästchen aus dem V&A ist eines von wenigen, bei dem uns die notwendige Buchstabenkombination bekannt ist – auch hier lautet sie nämlich „henri“. Im Inneren dieses Objekts wurde offenbar eine Notiz gefunden, die auf das 18. Jahrhundert zurückdatiert werden konnte, auf der der Sicherheitscode erklärt wird. Die feuervergoldeten Medaillons an der Vorder- und Rückseite des Objekts scheinen dieselben Römischen Kaiser als Reliefs zu zeigen, wie es bei der Kassette aus der Hampel-Auktion der Fall war. An den beiden Seitenwänden wiederum sind Abbildungen der legendären Lucrezia als Symbol der Tugendhaftigkeit aus der römischen Antike angebracht, die von italienischen Bronzereliefs kopiert worden sind.[22]
Museo Nazionale del Bargello, Florenz
Ein weiteres Objekt, bei dem allerdings der gesamte Sperrmechanismus ausgebaut wurde, befindet sich in der Sammlung des Museo Nazionale del Bargello in Italien. Es war Teil der privaten Carrand Collection und wurde schon 1888 an das Bargello gestiftet. Dieses Objekt sieht dem Exponat aus der Schell Collection sehr ähnlich, weil es ebenso rundum mit gravierten Kartuschen dekoriert wurde. Die Abbildungen darauf sind dieselben wie beim Kästchen aus der Schell Collection. Es wurde ebenfalls aus Holz und Samt geschaffen. Zusätzlich sind an dieser Kassette allerdings durchbrochene Ornamente am Deckel angebracht, die es auf den bisher genannten Objekten nicht gab.[23] Leider steht uns von diesem Vergleichsobjekt kein Foto zur Verfügung.
Abb. 23: Vergleichsobjekt Milwaukee, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert.
Milwaukee Art Museum, Wisconsin
Eine spannende Kassette stammt aus der Flagg Collection und wurde 1991 an das Milwaukee Art Museum in den USA abgegeben. Dieses Objekt ist sehr viel aufwendiger dekoriert als die meisten ähnlichen Stücke. Es besteht wie gewohnt aus einem Holzkorpus, der mit Samt überzogen wurde. Statt der Kartuschen oder Medaillons ist dieses Objekt allerdings rundum mit vergoldeter Bronze und Kupfer dekoriert. Mehrere durchbrochene Platten sind im klassischen Stil der Renaissance mit floralen Motiven, Rankenornamentik, Fabelwesen und Tieren versehen und geben den Blick auf den darunterliegenden Stoff frei. Auch hier befindet sich das Kombinationsschloss an der Vorderseite und wird von einem geflügelten Putto bekrönt, der ein leeres Schild präsentiert.[24] Die Buchstabenkombination, mit der das Kästchen geöffnet werden kann, lautet auch in diesem Fall „henri“.[25]
Abb. 24: Vergleichsobjekt Zug, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert.
Privatsammlung PES, Kanton Zug
Das letzte bekannte Kästchen, das hier erwähnt werden soll, ist im Besitz eines Schweizer Privatsammlers. Es wurde Anfang der 1990er Jahre im Museum Burg Zug ausgestellt und in diesem Rahmen auch publiziert. Dieses Objekt ist in Bezug auf die Dekorationselemente am wenigsten mit den anderen Objekten zu vergleichen. Die Grundform des rechteckigen Korpus, der auf quadratischen Füßchen steht und von einem gewölbten Deckel bekrönt wird, ist dieselbe. Auch die feuervergoldeten Beschläge an den Kanten sind im gleichen Stil gestaltet wie bei den anderen Kassetten. Das Objekt ist allerdings nicht mit Samt bezogen sondern rundum mit fein ziselierten Silberplatten beschlagen. Zusätzlich sind an den Wänden sechs ovale Medaillons mit Figuren in zeitgenössischer Kleidung sowie Putti aufgebracht worden – passend zu den Vergleichsobjekten sind zwei Medaillons an der Vorderseite, zwei an der Rückseite und jeweils eines an jeder kurzen Seitenwand montiert. Ungewöhnlich sind hier allerdings auch die vier runden Medaillons am Deckel. Der Tragegriff hat eine andere Form als bei den zuvor aufgezählten Kassetten. Auch der Putto, der das Kombinationsschloss bekrönt ist nicht derselbe, der auf den anderen Objekten größtenteils ident gestaltet war. Zuletzt soll darauf hingewiesen werden, dass das Kombinationsschloss sich ebenfalls von den anderen Schlössern unterscheidet, weil die Buchstaben als Großbuchstaben eingraviert wurden – auch hier ist das Lösungswort „henri“, weshalb man davon ausgehen kann, dass alle Kassetten aus dieser Werkstatt dasselbe Lösungswort für die Kombinationsschlösser hatten.[26] Das Objektfoto wurde freundlicherweise vom Besitzer für diesen Artikel zur Verfügung gestellt.
Die französischen Kästchen mit Buchstabenkombinationsschlössern sind außerordentlich spannende Zeugen der Kulturgeschichte. In einer Zeit, in der Kombinationsschlösser in Europa kaum bekannt waren oder genutzt wurden, hat sich eine französische Werkstätte offenbar fast schon darauf spezialisiert. Erfasst ist nur eine kleine Anzahl an Objekten, die optisch und funktional miteinander vergleichbar sind. Falls einer Leserin oder einem Leser noch mehr derartige Kästchen oder gar schriftliche Quellen zum genauen Herstellungsort oder der Werkstatt bekannt sind, freuen wir uns über eine Mail mit Informationen!
Text: Laura Müller, BA BA BA
Literatur
Berger, Ewald: Prunk-Kassetten. Meisterwerke aus der Hanns Schell Collection. Graz 1998.
Bliss, Joseph: Coffret with Revolving Combination Lock. In: Milwaukee Art Museum (Hg.): A Renaissance Treasury. The Flagg Collection of European Decorative Art and Sculpture. New York 1999.
D’Allemagne, Henry-Rene: Les anciens maitres Serruriers et leurs meilleurs travaux. Paris 1943.
Abb. 19: Vergleichsobjekt aus dem Musée Le Secq des Tournelles in Rouen, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert. Scan aus D’Allemagne, Henry-Rene: Les anciens maitres Serruriers et leurs meilleurs travaux. Paris 1943, S. CLII/152.
[18] Vgl. Schell Collection: Prunkstücke. Graz 2005, S. 68.; Burg Forchtenstein: Schatz und Schutz. Vom Keuschheitsgürtel bis zum Sargschlüssel. Linz 2018, S. 10.; Schell Collection: Vom Zauber der Materialien. Faszinierende Werkstoffe und ihre Verwendung im alten Kunsthandwerk. Graz 2025, S. 6, 15.
Objekt des Monats März 2026
Ein französisches Kästchen mit besonderem Schloss
„Henri“ und seine Kompagnons
Beim Objekt des Monats März handelt es sich um eine Renaissance-Kassette aus Frankreich mit Stoffüberzug und gewölbtem Deckel. Besonders spannend ist hierbei der Sperrmechanismus, denn dieses Objekt zählt zu einer sehr kleinen Gruppe von Kästchen aus Frankreich, die im 16. Jahrhundert geschaffen wurden und mit fest eingebauten Buchstabenkombinationsschlössern versperrt wurden. Falls Sie also etwas mehr über diese seltenen Prunkstücke erfahren wollen, dann sind Sie hier genau richtig!
Das Objekt
Inventarnummer: 4215
Standort: von September 2025 bis August 2026 in der Sonderausstellung „Vom Zauber der Materialien“, Foyer Vitrine 6 zu besichtigen.
Maße: 17,7 x 11,5 x 12,4 cm
Datierung: 16. Jahrhundert (um 1570/80)
Herkunft: Frankreich, möglicherweise Paris
Der Korpus des Objekts besteht aus Holz und hat einen rechteckigen Grundriss. Das gesamte Kästchen ist mit rotem Samtstoff überzogen, der über die Jahrhunderte abgenutzt wurde. Der Deckel hat die Form eines Tonnengewölbes und wird von einem feuervergoldeten Tragegriff aus Metall bekrönt. Die Ösen, an denen der Griff befestigt ist, entspringen dem Mund eines Maskarons. An der Frontseite befindet sich ein erkerartig hervorstehendes Buchstabenkombinationsschloss, bestehend aus fünf übereinander angebrachten Ringen mit jeweils zwanzig eingravierten Buchstaben. (Abb. 2) Diese sind vermutlich individuell graviert worden, weil sie leicht in ihrer Größe und Form variieren. Es handelt sich dabei nur um Kleinbuchstaben.
a b c d e f g h i k l m n o p q r s t u
Die korrekte Kombination, die das Schloss öffnet, ist das Wort „henri“. Das Objekt des Monats hat in der Schell Collection deshalb schon seit vielen Jahren das Lösungswort als liebevollen Spitznamen bekommen und wird „Henri“ genannt.
Im Kombinationsschloss steckt von oben eine Art Riegel, der oft auch als Bolzen oder Sperrhebel bezeichnet wird. (Abb. 3) Dieser ist von einem Baldachindach bekrönt und wurde – wie an späterer Stelle beim Vergleich mit ähnlichen Objekten deutlich wird – mit großer Wahrscheinlichkeit nachgemacht. Wenn man den Sperrhebel aus dem Schloss herauszieht und separat betrachtet, erinnert die Form an einen Schlüssel. Er wird durch eine dafür vorgesehene Öffnung im Deckel direkt in das Kombinationsschloss geführt. (Abb. 4) Wenn die Reihenfolge der Buchstaben dann durcheinander gebracht wird, ist das Schloss versperrt. Mehr zur Funktionsweise dieser Sperrmechanismen finden Sie unter dem Punkt Kombinationsschlösser allgemein.
Alle Kanten des Objekts sind mit feuervergoldeten Zierleisten aus Metall beschlagen, die mit feinen Mustern versehen sind und an architektonische Elemente erinnern. Vier Pilaster, die auf vier quadratischen Füßchen stehen, zieren die Ecken des Kästchens und zeigen geflügelte Putti in den Kapitellen. Das Metall wurde durch Nieten am hölzernen Untergrund befestigt. Rundum sind sechs kunstvoll geformte, vergoldete und gravierte Kartuschen montiert, auf denen biblische Szenen aus dem Neuen Testament abgebildet sind. Zwei der Kartuschen befinden sich auf der Vorderseite, rechts und links vom Kombinationsschloss. Zwei weitere sind auf der Rückseite angebracht und jeweils eine an jeder der Seitenwände. Das verwendete Metall ist wahrscheinlich Kupfer, könnte aber auch Bronze sein.
Im Inneren des Deckels ist das Siegel eines deutschsprachigen Druckers aus dem späten 15./frühen 16. Jahrhundert zu sehen, auf das an späterer Stelle noch eingegangen wird.
Kombinationsschlösser allgemein
Kombinationsschlösser werden ohne Schlüssel geöffnet. Mehrere drehbare Ringe bzw. Scheiben stecken als Zuhaltungen auf einem Riegel bzw. Sperrhebel, der an beiden Seiten beispielsweise durch Wände geschlossen ist. Bei Vorhangschlössern sind diese Seitenwände durch den Bügel verbunden. Die Ringe sind mit Buchstaben oder Zahlen versehen, die ein Wort oder einen Zifferncode ergeben müssen, um das Schloss zu öffnen. Die simpelste Version des Kombinationsschlosses lässt sich öffnen, indem eine Seitenwand samt dem Sperrhebel herausgezogen wird, wie es auch beim Objekt des Monats der Fall ist. Der Sperrhebel ist im Normalfall mit Ausbuchtungen oder herausstehenden „Zähnen“ versehen, welche den Sperrmechanismus geschlossen halten. Die darauf angebrachten Ringe mit den Buchstaben oder Zahlen haben wiederum eine Einkerbung im Inneren. Wenn die korrekte Buchstaben- oder Zahlenkombination eingegeben wird, befinden sich alle Einkerbungen in einer Reihe übereinander und der Sperrhebel kann problemlos herausgezogen werden, um das Schloss zu öffnen. Abhängig von der Menge der Ringe und eingravierten Zeichen gibt es eine hohe Anzahl möglicher richtiger Kombinationen, weshalb diese Schlösser zumindest auf den ersten Blick sehr sicher erscheinen.[1]
In Europa soll das Kombinationsschloss angeblich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Nürnberg erfunden worden sein. Die Erfindung setzte sich allerdings nicht unbedingt durch. Erst ab dem späten 18. Jahrhundert kann man von einer häufigeren Verwendung von Kombinationsschlössern in Europa sprechen. In den meisten Fällen handelte es sich allerdings um Vorhangschlösser. Schon im 19. Jahrhundert, einer Zeit in der viele neue Arten von Schlössern und Sperrmechanismen auf den Markt kamen, wurde die Kritik an Kombinationsschlössern laut. Sie galten als zu simpel und nicht sicher genug, es war zu einfach sie aufzubrechen. Wenn ein potenzieller Dieb die Zeit hatte, viele Kombinationen auszuprobieren, dann war die Chance hoch, dass er die richtige Reihenfolge der Zeichen durch Geschick oder Zufall erriet.[2]
Gravierte Kartuschen mit biblischen Szenen
Die Kassette „Henri“ ist mit insgesamt sechs Kartuschen versehen, jeweils zwei an der Vorder- und Rückwand sowie jeweils eine an jeder Seitenwand des Objekts. Auf diesen sind Szenen aus dem Neuen Testament abgebildet, die sich um die Geburt Jesu drehen und aus den Evangelien von Lukas und Matthäus stammen. In der Frontalansicht befindet sich links vom Buchstabenkombinationsschloss die Geburt Christi und rechts davon die Verkündigung an die Hirten. Weiterhin von der Frontseite aus gesehen befindet sich an der rechten Seitenwand die Anbetung der Könige und an der linken Seitenwand die Beschneidung Jesu. Dreht man das Kästchen um, befinden sich auf der Rückseite wieder zwei Kartuschen. Die linke davon zeigt die Verkündigung an Maria und die rechte die Heimsuchung Mariens.
Werfen wir in dieser Reihenfolge einen genaueren Blick auf die Kartuschen:
Vorderseite: „Geburt Christi“ und „Verkündigung an die Hirten“
Die Geburt Christi ist am Objekt des Monats im Rahmen der gewohnten Bildtradition ausgeführt worden. Das nackte Jesuskind liegt am rechten unteren Rand des Bildes auf dem Boden, sein Kopf ist von einem Heiligenschein umgeben. Links von ihm befindet sich Maria mit gefalteten Händen im Anbetungsgestus. Sie trägt fließende Gewänder und auch ihr Haupt wird von einem Heiligenschein geziert. Der Esel und der Ochse sind zentral im Bild zu sehen. Im Hintergrund befinden sich ein Gebäude mit Giebeldach und ein Zaun, Hinweise auf die Geburt im Stall. Josef ist rechts im Hintergrund zu sehen, er steht hinter dem Zaun und hält eine brennende Kerze in der Hand, mit der die Szene beleuchtet wird. (Abb. 5)
Die Geburt Christi zeigt in der Kunst nie den tatsächlichen Geburtsvorgang, durch den Jesus Christus auf die Welt gekommen sein soll (mehr dazu im Objekt des Monats Dezember 2025), sondern Maria und Josef bei der Anbetung des Kindes. Die Geburt Jesu wird im Lukasevangelium geschildert (Lk 2, 1-2) und ist in der Kunst als Szene stets auf dieselbe Weise aufgebaut.[3] Feste Bestandteile sind das meist in der Krippe liegende Christuskind, das von Maria und Josef angebetet wird. Auch der Ochse und der Esel sind immer vorhanden. Späterhin wurden auch die Hirten und die Heiligen Drei Könige ins Bildprogramm eingefügt, um mehrere Bibelstellen in einer Szene zusammenfassen zu können.[4]
Die Verkündigung an die Hirten zeigt den Engel am oberen Rand der Darstellung, umringt von einem Strahlenkranz. Darunter befinden sich die beiden Hirten, an ihren Hirtenstäben zu erkennen, in zeitgenössischer Kleidung des 16. Jahrhunderts. Beide haben ihre Blicke nach oben gen Himmel gerichtet, der rechte Hirte deutet mit seiner Hand auf den Engel. Um die Hirten herum befinden sich einige Lämmer und im Hintergrund auf einem Hügel sieht man ein Gebäude, bei dem es sich um eine Kirche handeln könnte. (Abb. 7)
Die Bibelszene, die in der Kunst als Verkündigung an die Hirten umgesetzt wurde, stammt aus dem Lukasevangelium und erzählt davon, wie eine Gruppe Hirten bei der Nachtwache am Feld von einem Engel überrascht wurde. Der Engel berichtete ihnen von der Geburt des Messias, woraufhin sie sich auf den Weg nach Bethlehem machten um ihm zu huldigen (Lk 2, 8-18).[5]
Seitenwände: „Anbetung der Könige“ und „Beschneidung Jesu“
Die Anbetung der Könige ist als einzige der sechs Kartuschen verhältnismäßig abgenutzt und zerkratzt. Trotz des Zustandes kann man die darauf abgebildete Szene allerdings noch gut erkennen. Auf der linken Seite ist Maria sitzend mit dem Jesuskind am Schoß zu sehen. Vor ihr kniet einer der Heiligen Drei Könige, ein bärtiger Mann mit zeitgenössischer Kleidung des Spätmittelalters, und präsentiert dem Messias seine Gabe. Die weiteren „Könige“ sind stehend im Hintergrund mittig und rechts zu sehen. Beide haben Gefäße mit Gaben in den Händen. Der Mann in der Mitte trägt eine Krone, während der Mann auf der rechten Seite einen zugespitzten Hut als Kopfbedeckung hat. Im Hintergrund ist (gleich wie bei der Geburt Christi) wieder das Dach des Stalls zu sehen. (Abb. 9)
Die Szene stammt aus dem Matthäusevangelium, wobei hier nie die Rede von „Königen“ ist (Mt 2, 1-12). Viel eher werden die drei Männer als „Magier“ oder „Weise“ aus dem Orient beschrieben. Vermutlich handelte es sich ursprünglich um Astrologen, gebildete Männer die die Sterne studierten. Nur durch die Deutung des Sterns war ihnen klar, dass im Land des jüdischen Volkes ein Königskind auf die Welt gekommen war. Der Stern wies ihnen den Weg zur Geburtsstätte Christi, wohin sie drei kostbare Gaben (Gold, Weihrauch und Myrrhe) für den Messias brachten.[6] Die Anbetung der Könige wird meist im Rahmen der Geburt Christi in der Kunst umgesetzt. Maria thront in dieser Szene meist mit dem Christuskind am Schoß, während die „Könige“ entweder alle kniend vor dem Kind gezeigt werden oder einer kniend und die anderen beiden erwartungsvoll dahinter stehend. Die Präsentation der drei Gaben wird in der Regel ebenso inkludiert.[7]
Die Beschneidung Jesu oder Beschneidung des Herrn wird meist nur im Rahmen von Bildzyklen gezeigt, die sich um die Geburt und frühe Kindheit Jesu drehen, und nicht als alleinstehender Typus. Dementsprechend kennt man die Szene primär aus Buchillustrationen oder von Wandbildern. Laut dem Lukasevangelium wurde Jesus nach jüdischem Brauch am achten Tag nach seiner Geburt beschnitten (Lk 2, 21). Dabei anwesend sind in den Bildprogrammen ein Priester oder ein Beschneider, in manchen Fällen auch beide, sowie Maria und oft auch mehrere namenlose Assistenzfiguren.[8]
Hier auf der Kartusche ist Maria kniend im Vordergrund zu sehen, mit Heiligenschein und fließenden Gewändern. Links hinter ihr befindet sich eine weibliche Figur mit einer Kerze in der Hand, deren Kleidung zeitgenössisch zum 16. Jahrhundert passt, wobei es sich hier vermutlich um eine typische Assistenzfigur oder um Marias Mutter Anna handelt. Die rechte Bildhälfte ist geprägt von einem Priester mit dem Christuskind am Schoß, der gerade die Beschneidung durchzuführen scheint, und einer weiteren männlichen Assistenzfigur am Rand des Bildes. Trotz dessen, dass die Beschneidung keine christliche Praxis ist, fällt die stark an eine Mitra (=Bischofshut im Christentum) erinnernde Kopfbedeckung des Priesters hier auf. (Abb. 11)
Rückseite: „Verkündigung an Maria“ und „Heimsuchung Mariens“
Links auf der Rückseite des Kästchens wird die Verkündigung an Maria gezeigt. Auf der Kartusche ist ein geflügelter Engel zu sehen, laut der Bibel der Erzengel Gabriel, mit einem Stab als Attribut. Er schwebt über dem Boden und scheint den Raum gerade erst zu betreten. Ihm gegenüber befindet sich Maria, sitzend an ihrem Lesepult mit einem Buch in der Hand. Sie hat offenes Haar, trägt lange Gewänder und wendet ihren Blick zum Engel. Um ihren Kopf befindet sich ein Heiligenschein, der in diesem Fall ganz anders als auf den anderen Kartuschen schwebend über Marias Kopf angebracht wurde und nicht als Kreis um ihren Kopf herum. Über den Personen sind die Lichtstrahlen Gottes zu sehen sowie eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Zwischen dem Erzengel und Maria befindet sich eine Vase mit Blumen am Boden, wobei es sich in den Verkündigungsszenen meist um weiße Lilien als Symbol der Reinheit handelt. Der Boden ist gefliest, der Hintergrund eine leere Wand. (Abb. 13)
Die Verkündigung an Maria aus dem Lukasevangelium gilt als der Beginn der Lebensgeschichte Jesu (Lk 1, 26-38). Die Fleischwerdung Gottes beginnt mit Marias Zustimmung, Mutter des Messias zu sein. Diese Szene inkludiert in der Kunst normalerweise nur zwei Charaktere, nämlich Maria und den Engel. Meist schwebt der Heilige Geist über den Personen, aber andere Zeugen des Geschehens sind nicht inkludiert.[9]
Zuletzt widmen wir uns der Heimsuchung Mariens, einer Szene, deren Name im heutigen Sprachgebrauch leicht missverstanden werden kann. Hier besucht die bereits schwangere Maria ihre ebenso schwangere Verwandte Elisabeth, die Mutter Johannes des Täufers, in ihrem Heim. Für den Besuch wurde im Althochdeutschen der Begriff Heimsuchung verwendet. Maria möchte Elisabeth von der frohen Botschaft erzählen, dass sie den Messias in sich trägt. Elisabeth wiederum ist schon im sechsten Monat schwanger mit Johannes dem Täufer. Meist wird die Szene vor einer Landschaft im Hintergrund gezeigt, weil Elisabeth Maria entgegenkommt und sie sich deshalb nicht erst im Haus begegnen. Elisabeth ist älter als Maria und wird meist mit Kopfbedeckung oder Schleier gezeigt. Die beiden Frauen umarmen sich in vielen Fällen, oft verneigt sich Elisabeth ein wenig aus Demut vor dem Messias in Marias Bauch. Die Darstellung basiert ebenso wie die meisten anderen hier genannten auf einer Bibelstelle aus dem Lukasevangelium (Lk 1, 39-56).[10]
Auch hier auf der Kartusche stehen sich die beiden Frauen in fließenden Gewändern gegenüber. Maria trägt wieder einen Heiligenschein und offenes Haar als Zeichen ihrer Jugend, während Elisabeth eine Kopfbedeckung und einen Schleier hat. (Abb. 15)
Die aus biblischer wie auch kunsthistorischer Sicht korrekte Reihenfolge der Darstellungen wäre: „Verkündigung an Maria“, „Heimsuchung Mariens“, „Geburt Jesu“, „Verkündigung an die Hirten“, „Beschneidung Jesu“ und „Anbetung der Könige“. Man müsste sich also zuerst die Rückseite ansehen, dann die Vorderseite und zuletzt die Seitenwände. Dementsprechend scheint es so, als ob bei der Anbringung der Kartuschen nicht viel Wert auf die Chronologie gelegt worden wäre.
Druckersiegel im Inneren des Deckels
Innen im Kästchen wurde das Siegel eines Buchdruckers auf Papier in den tonnengewölbten Deckel geklebt. Das Siegel gehört zum deutschen Drucker Johann Froben (1460-1527), der auch als Johannes Frobenius bekannt war. Froben stammte ursprünglich aus Hammelburg in Franken, zog aber in den 1480er Jahren in die Schweiz nach Basel, wo er seit 1490 als Buchdrucker belegbar ist. Im Jahr 1491 druckte er eine Bibel als sein erstes eigenständiges Werk. Ab dann sind jährlich Werke von ihm publiziert worden, manchmal auch in Kooperation mit anderen Druckern aus Basel. Ab 1513 spezialisierte er sich allerdings auf humanistische Literatur und druckte nur noch selbstständig. Bekanntheit erlangte er vor allem als ausschließlicher Buchdrucker des Humanisten Erasmus von Rotterdam.[11]
Das Siegel zeigt zwei Hände, die einen Stab halten, an dem sich zwei Schlangen emporwinden. Er erinnert an den geflügelten Stab des Hermes aus der griechischen Mythologie, um den sich ebenso zwei Schlangen wickeln. Die beiden Tiere tragen Kronen und sind einander zugewandt. Am oberen Ende des Stabs sitzt ein Vogel, der aufgrund der markanten Federn auf seinem Kopf an Vogelarten wie den Magellanspecht oder den Rotkardinal erinnert. Wahrscheinlich handelt es sich allerdings um eine in Europa heimische Art wie die Haubenmeise. Links vom Stab befinden sich die Buchstaben FRO und rechts davon BEN für Johann Frobens Nachnamen. Aus welchem Grund oder zu welchem Zeitpunkt das Siegel in das Kästchen geklebt wurde, ist leider nicht bekannt.
Vergleichsobjekte
Bekannt sind uns im Moment nur acht Kassetten, deren Korpus jeweils vergleichbar geformt ist und die mit Buchstabenkombinationsschlössern versperrt werden, weshalb davon ausgegangen wird, dass alle Objekte in derselben französischen Werkstatt hergestellt wurden. Die acht Kassetten sind heute weltweit verteilt in Museen und privaten Sammlungen zu finden.[12] Alle Objekte haben bei den Kombinationsschlössern dieselben Buchstaben in derselben Reihenfolge als Optionen auf den Drehscheiben eingraviert. Beim richtigen Buchstaben befindet sich im Inneren der Scheibe eine Einkerbung. Somit kann der bewegliche Riegel bzw. Sperrhebel, der optisch an einen Schlüssel erinnert, herausgezogen werden, wenn alle korrekten Buchstaben mit den Einkerbungen übereinander gereiht sind. [13] Die Buchstabenkombination, um die Kästchen zu öffnen, scheint in allen Fällen „henri“ zu sein.
Die Grundform der Kassetten ist immer dieselbe, ein langgezogenes Rechteck mit gewölbtem Deckel und Henkel, an der Vorderseite das Kombinationsschloss. Das verwendete Metall für die Dekoration wurde von den meisten Besitzern nicht metallurgisch bestimmt, es handelt sich wahrscheinlich um Kupfer oder Messing, das feuervergoldet wurde. Kästchen dieser Art wurden erfahrungsgemäß zur Aufbewahrung von Schmuck oder Dokumenten verwendet. Sie werden ins 16. Jahrhundert datiert, wobei Unklarheit beim genauen Jahrzehnt vorherrscht. Manche Museen schätzen, dass ihre Kassetten um 1520-1530 hergestellt worden sind, andere eher 1550-1560 und in der Schell Collection ging man bisher wiederum eher von 1570-1580 aus. Hergestellt wurden die Objekte in Frankreich, möglicherweise sogar in Paris. Der Name des Herstellers oder der Werkstatt ist uns allerdings nicht erhalten.
Musée Le Secq des Tournelles, Rouen
Ein Kästchen, das dem hier im Fokus stehenden Objekt zum Verwechseln ähnlich sieht, war im 20. Jahrhundert Teil der Sammlung des Musée Le Secq des Tournelles in Frankreich. Es wurde 1943 vom Historiker Henry-René D’Allemagne im Museumskatalog „Les anciens maîtres Serruriers et leurs meilleurs travaux“ publiziert.[14] Ein signifikanter Unterschied ist allerdings, dass statt dem baldachinartigen Verdeck für die Öffnung, in dem der Sperrhebel steckt und den Sperrmechanismus geschlossen hält, hier einfach ein (bestimmt ebenso im Nachhinein gefertigter) „Schlüssel“ eingesteckt wurde. Die Kartuschen zeigen auch bei diesem Objekt dieselben Szenen, die sich um die Geburt Christi drehen, wie das Exponat aus der Schell Collection – die Reihenfolge ist allerdings eine andere.[15] Nach Kontakt mit dem Musée Le Secq des Tournelles befindet sich diese Kassette allerdings nicht mehr in der dortigen Sammlung, der aktuelle Standort sowie die Besitzverhältnisse sind uns also nicht bekannt.
Auktionshaus Hampel, München
Ein ähnliches Objekt wurde im Auktionshaus Hampel in Deutschland im Jahr 2019 versteigert. Leider haben wir keine Information darüber, wer dieses Kästchen erworben hat, weshalb der Aufbewahrungsort derzeit unklar ist. Das Auktionshaus hat die Herkunft des Kästchens nach Italien lokalisiert, wobei es sich hier um eine Fehleinschätzung basierend auf dem schon genannten Werk „Les anciens maîtres Serruriers et leurs meilleurs travaux“ von D’Allemagne handelt. D’Allemagne vermutete die Kassette aus dem Musée Le Secq des Tournelles als venezianisches Erzeugnis.[16] Herr Ewald Berger hatte das Objekt aus der Schell Collection in der Publikation „Prunk-Kassetten“ von 1998 dementsprechend auch als Produkt der italienischen Spätrenaissance eingeschätzt.[17] Diese Vermutung wird in Auktionshäusern bis heute immer wieder zitiert. Inzwischen sind sich allerdings die Museen, in deren Sammlungen sich Vergleichsobjekte befinden einig, dass diese aus Frankreich stammen. Die Schell Collection hat das hier besprochene Objekt seither mehrmals in Publikationen erwähnt und als Herstellungsort Frankreich angegeben, aber diese Informationen sind von Auktionshäusern bisher nicht übernommen worden.[18]
Das in München verkaufte Kästchen hat ebenfalls einen Holzkorpus, der mit Samt bezogen war und inzwischen allerdings zur Gänze abgerieben ist. Der Tragegriff, das Buchstabenkombinationsschloss und die feuervergoldeten Metallbeschläge sind quasi ident zu den Kästchen aus der Schell Collection und dem Musée Le Secq des Tournelles. Über dem Buchstabenkombinationsschloss befindet sich in diesem Fall ein geflügelter Putto, der ein leeres Schild nach vorne gedreht hält. Ein derartiger Putto dürfte ursprünglich auch das Kästchen aus der Schell Collection geziert haben und im Lauf der Jahrhunderte verloren gegangen sein. Er ist mit dem Sperrhebel verbunden, der das Schloss verschließt, bis die richtige Buchstabenkombination eingegeben wird und er herausgezogen werden kann.[19] An Vorder- und Rückseite des Objekts sind in diesem Fall keine christlichen Szenen, sondern Köpfe Römischer Kaiser als Reliefs in feuervergoldeten Medaillons zu sehen. Seitlich sind hier Kartuschen angebracht, die in ihrer Form den Kartuschen des Objekts des Monats ähneln, auf denen allerdings jeweils ein Globus mit zwei Herzen darunter eingraviert worden ist.[20]
Auktionshaus Sotheby’s, London
Ein fast mit der bei Hampel auktionierten Kassette identes Objekt wurde schon 2014 in England versteigert. Auch hier haben wir keine Informationen zum aktuellen Standort des Kästchens. Es stammt aus der Gustav Leonhardt Collection und hat dieselben Medaillons und Kartuschen, wie das zuvor genannte Kästchen. Der rote Samtstoff sieht hier allerdings ähnlich mitgenommen aus wie am Exponat aus der Schell Collection.[21]
Victoria and Albert Museum, London
Im Victoria and Albert Museum in England gibt es ebenso ein vergleichbares Kästchen. Dieses Objekt ist überraschend mit blauem statt rotem Samt überzogen. Auch hier ist die Kassette mit feuervergoldeten Metalldetails geschmückt. Wie bei den Vergleichsobjekten, die bei Hampel und Sotheby’s auktioniert wurden, sitzt auch hier ein Putto am Sperrhebel und verschließt das Buchstabenkombinationsschloss. Das Kästchen aus dem V&A ist eines von wenigen, bei dem uns die notwendige Buchstabenkombination bekannt ist – auch hier lautet sie nämlich „henri“. Im Inneren dieses Objekts wurde offenbar eine Notiz gefunden, die auf das 18. Jahrhundert zurückdatiert werden konnte, auf der der Sicherheitscode erklärt wird. Die feuervergoldeten Medaillons an der Vorder- und Rückseite des Objekts scheinen dieselben Römischen Kaiser als Reliefs zu zeigen, wie es bei der Kassette aus der Hampel-Auktion der Fall war. An den beiden Seitenwänden wiederum sind Abbildungen der legendären Lucrezia als Symbol der Tugendhaftigkeit aus der römischen Antike angebracht, die von italienischen Bronzereliefs kopiert worden sind.[22]
Museo Nazionale del Bargello, Florenz
Ein weiteres Objekt, bei dem allerdings der gesamte Sperrmechanismus ausgebaut wurde, befindet sich in der Sammlung des Museo Nazionale del Bargello in Italien. Es war Teil der privaten Carrand Collection und wurde schon 1888 an das Bargello gestiftet. Dieses Objekt sieht dem Exponat aus der Schell Collection sehr ähnlich, weil es ebenso rundum mit gravierten Kartuschen dekoriert wurde. Die Abbildungen darauf sind dieselben wie beim Kästchen aus der Schell Collection. Es wurde ebenfalls aus Holz und Samt geschaffen. Zusätzlich sind an dieser Kassette allerdings durchbrochene Ornamente am Deckel angebracht, die es auf den bisher genannten Objekten nicht gab.[23] Leider steht uns von diesem Vergleichsobjekt kein Foto zur Verfügung.
Milwaukee Art Museum, Wisconsin
Eine spannende Kassette stammt aus der Flagg Collection und wurde 1991 an das Milwaukee Art Museum in den USA abgegeben. Dieses Objekt ist sehr viel aufwendiger dekoriert als die meisten ähnlichen Stücke. Es besteht wie gewohnt aus einem Holzkorpus, der mit Samt überzogen wurde. Statt der Kartuschen oder Medaillons ist dieses Objekt allerdings rundum mit vergoldeter Bronze und Kupfer dekoriert. Mehrere durchbrochene Platten sind im klassischen Stil der Renaissance mit floralen Motiven, Rankenornamentik, Fabelwesen und Tieren versehen und geben den Blick auf den darunterliegenden Stoff frei. Auch hier befindet sich das Kombinationsschloss an der Vorderseite und wird von einem geflügelten Putto bekrönt, der ein leeres Schild präsentiert.[24] Die Buchstabenkombination, mit der das Kästchen geöffnet werden kann, lautet auch in diesem Fall „henri“.[25]
Privatsammlung PES, Kanton Zug
Das letzte bekannte Kästchen, das hier erwähnt werden soll, ist im Besitz eines Schweizer Privatsammlers. Es wurde Anfang der 1990er Jahre im Museum Burg Zug ausgestellt und in diesem Rahmen auch publiziert. Dieses Objekt ist in Bezug auf die Dekorationselemente am wenigsten mit den anderen Objekten zu vergleichen. Die Grundform des rechteckigen Korpus, der auf quadratischen Füßchen steht und von einem gewölbten Deckel bekrönt wird, ist dieselbe. Auch die feuervergoldeten Beschläge an den Kanten sind im gleichen Stil gestaltet wie bei den anderen Kassetten. Das Objekt ist allerdings nicht mit Samt bezogen sondern rundum mit fein ziselierten Silberplatten beschlagen. Zusätzlich sind an den Wänden sechs ovale Medaillons mit Figuren in zeitgenössischer Kleidung sowie Putti aufgebracht worden – passend zu den Vergleichsobjekten sind zwei Medaillons an der Vorderseite, zwei an der Rückseite und jeweils eines an jeder kurzen Seitenwand montiert. Ungewöhnlich sind hier allerdings auch die vier runden Medaillons am Deckel. Der Tragegriff hat eine andere Form als bei den zuvor aufgezählten Kassetten. Auch der Putto, der das Kombinationsschloss bekrönt ist nicht derselbe, der auf den anderen Objekten größtenteils ident gestaltet war. Zuletzt soll darauf hingewiesen werden, dass das Kombinationsschloss sich ebenfalls von den anderen Schlössern unterscheidet, weil die Buchstaben als Großbuchstaben eingraviert wurden – auch hier ist das Lösungswort „henri“, weshalb man davon ausgehen kann, dass alle Kassetten aus dieser Werkstatt dasselbe Lösungswort für die Kombinationsschlösser hatten.[26] Das Objektfoto wurde freundlicherweise vom Besitzer für diesen Artikel zur Verfügung gestellt.
Die französischen Kästchen mit Buchstabenkombinationsschlössern sind außerordentlich spannende Zeugen der Kulturgeschichte. In einer Zeit, in der Kombinationsschlösser in Europa kaum bekannt waren oder genutzt wurden, hat sich eine französische Werkstätte offenbar fast schon darauf spezialisiert. Erfasst ist nur eine kleine Anzahl an Objekten, die optisch und funktional miteinander vergleichbar sind. Falls einer Leserin oder einem Leser noch mehr derartige Kästchen oder gar schriftliche Quellen zum genauen Herstellungsort oder der Werkstatt bekannt sind, freuen wir uns über eine Mail mit Informationen!
Text: Laura Müller, BA BA BA
Literatur
Berger, Ewald: Prunk-Kassetten. Meisterwerke aus der Hanns Schell Collection. Graz 1998.
Bliss, Joseph: Coffret with Revolving Combination Lock. In: Milwaukee Art Museum (Hg.): A Renaissance Treasury. The Flagg Collection of European Decorative Art and Sculpture. New York 1999.
D’Allemagne, Henry-Rene: Les anciens maitres Serruriers et leurs meilleurs travaux. Paris 1943.
Emminghaus, Johannes: Verkündigung an Maria. In: Kirschbaum, Engelbert (Hg.): Lexikon der christlichen Ikonographie 4. Allgemeine Ikonographie S-Z. Darmstadt 2015, Sp. 422-437.
Isermeyer, Christian: Beschneidung Christi. In: Kirschbaum, Engelbert (Hg.): Lexikon der christlichen Ikonographie 1. Allgemeine Ikonographie A-E. Darmstadt 2015, Sp. 271-273.
Laske, Katja/Holl, Oskar: Verkündigung an die Hirten. In: Kirschbaum, Engelbert (Hg.): Lexikon der christlichen Ikonographie 4. Allgemeine Ikonographie S-Z. Darmstadt 2015, Sp. 421-422.
Lechner, Martin: Heimsuchung Mariens. In: Kirschbaum, Engelbert (Hg.): Lexikon der christlichen Ikonographie 2. Allgemeine Ikonographie F-K. Darmstadt 2015, Sp. 229-235.
o.A.: Oddities, Rarities & „One-of-a-kinds“. In: The Antique Lock Collector Vol. 44, No. 2 (April-June 2022), S. 7-15.
Pall, Martina: Das europäische Vorhangschloss. Graz 2009.
Schwerzmann, Paul Emil: Truhen und Kassetten aus Privatbesitz. Ausstellungskatalog Museum Burg Zug. Zug 1992.
Weis, Adolf: Drei Könige. In: Kirschbaum, Engelbert (Hg.): Lexikon der christlichen Ikonographie 1. Allgemeine Ikonographie A-E. Darmstadt 2015, Sp. 539-549.
Wilhelm, Pia/Holl, Oskar: Geburt Christi. In: Kirschbaum, Engelbert (Hg.): Lexikon der christlichen Ikonographie 2. Allgemeine Ikonographie F-K. Darmstadt 2015, Sp. 86-120.
Online-Quellen
Auktionshaus Hampel: Seltenes italienisches Kästchen mit Buchstabenkombinationsschloss, Lot 228. In: Auktion Skulpturen & Kunsthandwerk, 28.03.2019. https://www.hampel-auctions.com/a/Seltenes-italienisches-Kaestchen-mit-Buchstabenkombinationsschloss.html?a=118&s=637&id=553185&q=k%C3%A4stchen&hl=1 (Zugriff 22.01.2026).
Auktionshaus Sotheby’s: A gilt-bronze-mounted and velvet covered casket probably Italian and 16th century, Lot 522. In: The Gustav Leonhardt Collection, Property From The Bartolotti House, 29.04.2014. https://www.sothebys.com/en/auctions/2014/gustav-leonhardt-collection-l14307.html?locale=en (Zugriff 22.01.2026).
Milwaukee Art Museum: Coffret with Revolving Combination Lock. In: MAM Collection https://collection.mam.org/details.php?id=6027 (Zugriff 27.01.2026).
Pfister, Arnold: Froben(ius), Johann. In: Neue Deutsche Biographie 5. Berlin 1961, S. 638-640. Online-Version: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118955179.html#ndbcontent (Zugriff 26.01.2026).
Victoria and Albert Museum: Casket. In: V&A Collections https://collections.vam.ac.uk/item/O376994/casket-unknown/ (Zugriff 22.01.2026).
Abbildungen
Abb. 1: Kassette „Henri“ mit Buchstabenkombinationsschloss, Frankreich, 16. Jahrhundert. © prismaundkante.
Abb. 2: Detail Kassette „Henri“, Frontalansicht Buchstabenkombinationsschloss mit Lösungswort „henri“, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 3: Detail Kassette „Henri“, Sperrhebel mit Baldachindach, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 4: Detail Kassette „Henri“, Ansicht Buchstabenkombinationsschloss von oben, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 5: Detail Kassette „Henri“, Kartusche mit Gravur „Geburt Christi“, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 6: Hans Schäufelein, Die Geburt Christi (Altarbild), Öl auf Holz, um 1508, Kunsthalle, Hamburg. © Hamburger Kunsthalle/Elke Walford. https://online-sammlung.hamburger-kunsthalle.de/de/objekt/HK-150/die-geburt-christi?filter%5Bobj_actuallocation_s%5D%5B0%5D=Alte%20Meister&start=60&position=70
Abb. 7: Detail Kassette „Henri“, Kartusche mit Gravur „Verkündigung an die Hirten“, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 8: Taddeo Gaddi, Verkündigung an die Hirten, Fresko, um 1327-1330, Basilika Santa Croce, Florenz. © Wikimedia Commons. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gaddi_Taddeo_Announcement.jpg
Abb. 9: Detail Kassette „Henri“, Kartusche mit Gravur „Anbetung der Könige“, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 10: Sandro Botticelli, Anbetung der Könige (Altarbild), Tempera auf Holz, um 1474-1476, Galleria degli Uffizi, Florenz. © Wikimedia Commons. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zanobi-Altar.jpg
Abb. 11: Detail Kassette „Henri“, Kartusche mit Gravur „Beschneidung Jesu“, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 12: Michael Pacher, Die Beschneidung Christi (Altarbild), Tempera auf Holz, um 1479-1481, Pfarrkirche Sankt Wolfgang im Salzkammergut © Wikimedia Commons. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Michael_Pacher_-_St_Wolfgang_Altarpiece_-_Circumcision_-_WGA16822.jpg
Abb. 13: Detail Kassette „Henri“, Kartusche mit Gravur „Verkündigung an Maria“, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 14: Leonardo da Vinci, Verkündigung des Herrn, Öl auf Holz, um 1472, Galleria degli Uffizi, Florenz. © Wikimedia Commons. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leonardo_da_Vinci_-_Annunciazione_-_Google_Art_Project.jpg
Abb. 15: Detail Kassette „Henri“, Kartusche mit Gravur „Heimsuchung Mariens“, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 16: Rogier van der Weyden, Heimsuchung, Öl und Tempera auf Holz, um 1435-1440, Museum der bildenden Künste, Leipzig. © Wikimedia Commons. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rogier_van_der_Weyden_-_Heimsuchung.jpeg
Abb. 17: Detail Kassette „Henri“, Innenseite des Deckels mit Druckersiegel des Johann Froben, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 18: Detail Kassette „Henri“, Baldachindach mit Samt bezogen und Tragegriff von oben, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Schell Collection.
Abb. 19: Vergleichsobjekt aus dem Musée Le Secq des Tournelles in Rouen, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert. Scan aus D’Allemagne, Henry-Rene: Les anciens maitres Serruriers et leurs meilleurs travaux. Paris 1943, S. CLII/152.
Abb. 20: Vergleichsobjekt aus München, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert. ©Auktionshaus Hampel. https://www.hampel-auctions.com/a/Seltenes-italienisches-Kaestchen-mit-Buchstabenkombinationsschloss.html?a=118&s=637&id=553185&q=k%C3%A4stchen&hl=1
Abb. 21: Vergleichsobjekt aus London, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert. ©Auktionshaus Sotheby’s. https://www.sothebys.com/en/auctions/ecatalogue/2014/gustav-leonhardt-collection-l14307/lot.522.html?locale=en
Abb. 22: Vergleichsobjekt aus dem V&A in London, Kästchen aus Frankreich, 16. Jahrhundert. © Victoria and Albert Museum. https://collections.vam.ac.uk/item/O376994/casket-unknown/
Abb. 23: Vergleichsobjekt aus dem Milwaukee Art Museum, Frankreich, 16. Jahrhundert. © Milwaukee Art Museum. https://collection.mam.org/details.php?id=6027
Abb. 24: Vergleichsobjekt aus der Privatsammlung PES, Frankreich, 16. Jahrhundert. Freundlicherweise vom Sammler zur Verfügung gestellt. © PES.
[1] Pall, 2009, S. 211.
[2] Ebda., S. 211f.
[3] Wilhelm/Holl, 2015, Sp. 86.
[4] Ebda., Sp. 92, 113.
[5] Laske/Holl, 2015, Sp. 421.
[6] Weis, 2015, Sp. 539.
[7] Ebda., Sp. 542.
[8] Isermeyer, 2015, Sp. 271f.
[9] Emminghaus, 2015, Sp. 422f, 431.
[10] Lechner, 2015, Sp. 229f.
[11] Pfister, 1961, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118955179.html#ndbcontent.
[12] Auktionshaus Sotheby’s, https://www.sothebys.com/en/auctions/2014/gustav-leonhardt-collection-l14307.html?locale=en; vgl. The Antique Lock Collector, 2022, S. 7.
[13] The Antique Lock Collector, 2022, S. 9.
[14] D’Allemagne, 1943, S.CLII/152.
[15] The Antique Lock Collector, 2022, S. 10.
[16] D’Allemagne, 1943, S. CLII/152.
[17] Berger, 1998, S. 220.
[18] Vgl. Schell Collection: Prunkstücke. Graz 2005, S. 68.; Burg Forchtenstein: Schatz und Schutz. Vom Keuschheitsgürtel bis zum Sargschlüssel. Linz 2018, S. 10.; Schell Collection: Vom Zauber der Materialien. Faszinierende Werkstoffe und ihre Verwendung im alten Kunsthandwerk. Graz 2025, S. 6, 15.
[19] Auktionshaus Hampel, https://www.hampel-auctions.com/a/Seltenes-italienisches-Kaestchen-mit-Buchstabenkombinationsschloss.html?a=118&s=637&id=553185&q=k%C3%A4stchen&hl=1.
[20] The Antique Lock Collector, 2022, S. 12.
[21] Ebda., S. 13.
[22] V&A, https://collections.vam.ac.uk/item/O376994/casket-unknown/.
[23] The Antique Lock Collector, 2022, S. 9.
[24] Bliss, 1999, S.89; vgl. MAM, https://collection.mam.org/details.php?id=6027.
[25] The Antique Lock Collector, 2022, S. 8.
[26] Schwerzmann, 1992, S. 35.