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Orange the World 2025

Auch im Jahr 2025 ist die Schell Collection wieder Teil der Kampagne „Orange the World – 16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ von UN Women. Nach wie vor zählt Gewalt an Frauen zu einer der am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen. „Orange The World“ findet jährlich zwischen dem 25. November, dem „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen”, und dem 10. Dezember, dem „Internationalen Tag der Menschenrechte”, statt. Innerhalb dieser 16 Tage setzen Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen ein Zeichen, um auf Gewalt an Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen. Weltweit erstrahlen Gebäude in oranger Farbe, Firmenlogos und Webseiten werden orange gefärbt und auch Museen setzen ihre Objekte orange in Szene.

Die Schell Collection hat dieses Jahr drei verschiedene Objekte in den drei Stockwerken der Dauerausstellung für diese Kampagne ausgewählt.

Im ersten Stock werden die eisernen und versperrbaren Keuschheitsgürtel als Symbol patriarchaler Gewalt orange beleuchtet. Keuschheitsgürtel wurden tatsächlich nie verwendet, aber der Mythos ihrer aktiven Nutzung hält sich sehr hartnäckig im kollektiven Gedächtnis unseres Kulturkreises. Dem Museumsteam ist es daher ein Anliegen, im Rahmen der Kulturvermittlung immer wieder darauf hinzuweisen, dass Frauen tatsächlich nie gezwungen wurden, solche Objekte dauerhaft anzulegen.

Im zweiten Stock wird erneut eine gusseiserne Statuette der Jungfrau von Orleans, Jeanne d’Arc, orange in Szene gesetzt. Sie ist ein berühmtes Beispiel für Frauen, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt wurden. 1412 in Frankreich geboren, erlebte sie den Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich (1339-1453). Sie fühlte sich von Gott berufen, Frankreich zum Sieg zu führen. Obwohl es nicht zu den patriarchalen Rollenbildern ihrer Zeit passte, trug Jeanne d’Arc eine Rüstung und führte erfolgreich die französischen Truppen an. Sie wurde von den mächtigen Männern ihrer Zeit für deren politische Zwecke ausgenutzt. Als ihr Erfolg zu schwinden drohte und sie ihren strategischen Nutzen für Frankreich verlor, entledigte man sich ihr, und übergab sie der Inquisition. Sie wurde der Ketzerei und Zauberei angeklagt, wobei auch das für Frauen strafbare Tragen von Männerkleidung zu ihrem Verhängnis wurde. Letztendlich hat man Jeanne d’Arc 1431 bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Im dritten Stock ist ein besonderes Objekt Teil der „Orange the World“-Kampagne, nämlich eine tibetische Prunkkassette. Darauf zentral zu sehen ist die Göttin Palden Lhamo, eine zornvolle Schutzgottheit aus dem tibetischen Buddhismus. Sie ist Beschützerin der buddhistischen Lehre, der Stadt Lhasa und des Dalai Lama. Zudem ist sie die einzige weibliche, zornvolle Schutzgottheit. Palden Lhamos Gesicht ist eine wilde Fratze mit feurigem Blick und Reißzähnen im Mund. Ihre Haut ist häufig mit dunklen Farben wie Blau dargestellt. Sie reitet auf einem Esel durch ein Meer aus Blut. Ihre Aufgabe ist es, die Gebrechen und negativen Wünsche der Menschen zu schlucken. Palden Lhamo soll als Beispiel dafür dienen, dass westliche, patriarchale Vorstellungen von traditioneller Weiblichkeit, die sich durch Normschönheit, Schamhaftigkeit und Passivität ausdrücken, kein globales Monopol haben.

 

Weltweit ist immer noch jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens von physischer, psychischer und/oder sexueller Gewalt betroffen. Auch in Österreich sehen die Zahlen nicht viel besser aus.